Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 9 (1860)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Juden und Judenthum nach römischer Anschauung
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 136 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2829132-2829248-2829253-2857033--05390-2857054- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
136 Juden und Judenthum nach römischer Anschauung. gegeben hatte, sich niedergelassen haben. Der Beweis wird aus dem Namm hergeleitet: Ans Kreta heißt ein berühmter Berg Jda, seine Anwohner Jdäer, woraus durch fremdsprachliche Dehnung der Name Judäer entstanden ist. Einige sagen, daß unter der Regierung der Isis die Uebervölkerung Egyptens unter der Anführung des Hierosolymus und Juda in die Nächstliegenden Länder sich entladen habe. Die Meisten jedoch halten sie für einen äthiopischen Stamm, welchen unter König Cepheus Furcht und Haß zur Aenderung der Wohnsitze getrieben haben. Einige erzählen, assyrische Einwanderer hätten sich, ans Mangel an Ländereien, eines Theiles von Egypten bemächtigt, bald aber eigene Städte, das h ebräische Gebiet und die Syrien zunächst gelegenen Gegenden angebant. Andere geben den Judäern einen ehrenvolleren Ursprung, es hätten die Solymer, ein in den Gesängen Homers gefeiertes Volk 2), die von ihnen erbaute Stadt nach ihrem Namen Hierosolyma genannt. — Die meisten Erzähler stimmen darin überein, daß einst bei dem Ausbruche einer Seuche in.Egypten, welche die Leiber scheuslich entstellte, König Bacchoris, auf seine Anfrage beim Orakel des Hammon , welches Heilmittel er anwenden solle, den Bescheid erhalten, das Reich zu säubern und diese Menschenart, als den Göttern verhaßt , nach anderen Ländern zu schaffen. So habe man dieses Volk herausgesucht und zusammengerafft , dann an wüsten Plätzen sich selbst überlassen; und als die klebrigen trostlos weinten, habe Moses, einer der Vertriebenen, sie vermahnt, sie sollten aus keinerlei Hülse von Göttern noch Menschen rechnen , da sie von diesen wie von jenen verlassen seien, sondern sollten ihm, dem himmlischen Führer vertrauen; glauben sie.an seine Hülse, so werden sie das gegenwärtige Elend besiegen. Sie willigten ein, und schlugen durchaus unkundig zufällig einen Weg ein. Aber nichts drückte sie so sehr als der Mangel an Wasser; und schon lagen sie dem Tode nahe ans den Feldern umher, als eine Heerde wilder Esel von der Weide auf einen waldbeschatteten Felsen zulies. Moses folgte der Spur des grasigen Bodens, und fand reichliche Wasserquellen. Hier fanden sie Erquickung; und nach ununterbrochener Wunderung von sechs Tagen , nahmen sie am siebenten ein Land ein, vertrieben dessen Einwohner und gründeten Stadt und Tempel. 2) Vgl. Ilias 6. 184. 185. Vgl. auch Josephus gegen Apion t, 22. (1. Jahrg. dieser Monatsschr. S. 45.)