Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 9 (1860)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Juden und Judenthum nach römischer Anschauung
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 129 (sequence 5)
- Language
- German
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Jndm und Judenthum nach römischer Anschauung. 129 Wir gehen nun zu den Symposien über. Das fünfte und sechste Gespräch des vierten Buches ist den Inden gewidmet ss. Das fünfte Gespräch hat die Ausschrift: ״Ob sich die Juden, weil sie das Schwein verehren, dessen Fleisches enthalten, oder weil sie es verabscheuen". Als sprechende Personen werden eingesührt: Kallistratns, Polykrates, Lamprias. ״Was haltet Ihr, begann Kallistratns von dem, was den Juden nachgesagt wird, sie essen nicht das beste Fleisch? Sehr sonderbar, sprach Polykrates, nur weiß ich nicht ob die Juden sich aus Achtung vor dem Schwein, oder weil sie es verabscheuen, seines Fleisches enthalten. Was sie hierüber sagen scheinen Fabeln, vielleicht haben sie tiefere Ursachen, die sie nicht mittheilen wollen. Ich glaube, sagte Kallistrates, dieses Thier steht bei ihnen in Achtung. Wenn das Schwein mißgestaltet und unrein ist, so ist es doch nicht häßlicher als Käfer, Krokodill und Katze, die von manchen egyptischen Priestern als sehr heilig verehrt werden. Das Schwein, sagen sie, sei zu schonen und in Ehren zu halten, denn es hat mit seinem Rüssel zuerst die Erde aufgewühlt und die Spur des Pflügens gezeigt. Die Egypter, die eine tiefe und schlammige Gegend bewohnen, gebrauchen daher auch nicht den Pflug, sondern treiben, nachdem der Nil sich über die Aecker ergossen, die Schweine dahin, die den Boden durchwühlen. Es ist daher nicht überraschend, wenn Manche deshalb das Schwein nicht essen; bei den Barbaren werden andere Thiere in noch größereu Ehren wegen noch geringerer und sogar lächerlicher Ursachen ge- Haltens. Ich glaube serner, daß, wenn die Juden das Schwein verabscheuten, sie es tödten würden, sowie die Magier die Mäuse; es ist ihnen aber ebenso verboten ein Schwein umznbringen(!!), als beziehen. Eine bessere Einsicht hatte zwar schon früher gelehrt, daß, wo es der Abwehr des Feindes, überhaupt dem Kampfe für das Vaterland gilt, der Sabbat und dessen Heiligung zurücktritt (vgl. 1. ׳Maccab. 2, 40. 41), und ist dieses die allgemein angenommene Norm, vgl. Erubin 45 und sonst. Daß man bei dieser Belagerung von der Vertheidigung am Sabbat abstand, hatte vielleicht als Grund, daß Pompejus als Vorkämpfer für Hyrcan, den rechtmäßigen Kronprätendenten austrat; einem solchen Feinde gegenüber mochten die Belagerten Bedenken tragen, die Sabbatfeier aufzugeben. 7) Moralia 669 — 672, 8) Hier folgt eine weite Anführung der Thiere, die bei den Egyptern und mancher, die bei den Pythagoräern heilig gehalten wurden. Wir gehen hierüber wie über manche weiter folgende weitläufige und nicht zu unserm Zwecke gehörende Auslassung weg.