Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 9 (1860)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Juden und Judenthum nach römischer Anschauung
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 128 (sequence 4)
- Language
- German
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128 Juden und Judenthum nach römischer Anschauung. der Unglaube, fährt er fort, ist nicht so schädlich, wie der Aberglaube. Der Unglaube erkennt keine Gottheit an, der Aberglaube wähnt die Göttex feindlich gesinnt; jener vernachlässigt, dieser hält das, was gütig ist, für schrecklich, was väterlich für tyrannisch, was milde und sanft für hart und lieblos. Trifft den Ungläubigen manches Unangenehme, so nimmt er es entweder ruhig hin und sucht Abhülfe zu schaffen, oder er klagt das Schicksal an, und daß keine Gerechtigkeit und Vorsehung walte; der Abergläubische sitzt, wenn ihm auch nur das kleinste Uebel begegnet, in Trauer, häuft Furcht ans Furcht, Schrecken auf Schrecken, und ist durchdrungen von Schmerz und Seufzen; er klagt nicht Menscheu, Zufall, Gelegenheit an, sondern führt Alles auf Gott zurück. Sucht Jener die Ursache für eine Krankheit in übermäßigem Genuß oder sonst in einem Diätfehler, so erblickt der Abergläubische hierin eine Strafe von oben und wagt nicht sich Linderung zu verschaffen, dieses scheint ihm ein Handeln wider den Willen Gottes, er wehrt nicht dem hereindringenden Unglück, sondern unterwirft sich ihm. So blieben die Juden, befangen in ihrem Aberglauben, da sie eben ihren, Sabbat in schmutzigen Gewändern M sitzend feierten, ruhig und ließen den Feind die Leitern an die Mauern anlegench". Daß Plutarch von der in Gott aufgehenden Liebe keine Ahnung hatte, daß der große von einem Lehrer (SÄ. Akiba) mit der erhebendsten Opfersrcudigkeit beste- י gelte Gedanke: ״Liebe Gott mit der innigsten Hingebung" von der heidnischen Welt auch von fern nicht begriffen wurde, kann nicht befremden; Plutarch vermochte daher in der von den Juden sich freiwillig auferlegten Wehrlosigkeit am׳Sabbat nichts Anderes als Aberglauben wahrznnehmen. Nicht mit Unrecht klagt zwar Josephus, daß statt des Spottes Jenen Achtung zu zollen sei, die das Gesetz und die Ehrfurcht vor Gott höher als Rettung und Vaterland stellen 4 5 6); doch was ihm von seinem monotheistischen Standpunkte aus als Achtung gebietend erschien, r mußte den polytheistischen Griechen und Römern, die selbst von manchem Hähern Standpunkte (der Stoa) aus Ergebung aber nicht Hingebung kannten, als Aberglaube gelten 0). 4) Moral. 164—170. 5) Joseph, contra. Apion. 1, 22. Vgl1 .׳. Jahrg. d. Monatsschr. S. 50. 6) Die von Plutarch angedeutete Eroberung am Sabbat ist wahrscheinlich auf die des Tempels durch Pompejus (vgl. Josephus Jüd. Krieg 1, 7. 3) zu