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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1860-01-01 · Heft 4 · p. Seite 126

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
9 (1860)
Issue
Heft 4
Article
Juden und Judenthum nach römischer Anschauung
Date
1860-01-01
Page
Seite 126 (sequence 2)
Language
German
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126 Juden und Judenthum nach römischer Anschauung. muß, um dieses Leben in seinen verschiedensten Manifestationen zu begreifen. Und diese Unkunde ist es zumeist, die die Geschichte der Juden entstellte und in ihr nur einen Zusammenstuß von Abnormitäten und abergläubffchcn Vorstellungen erblickte. Nicht wenig trug hierzu auch die Unkunde der jüdischen Geschichtsquellen bei; das heidnische Alterthum faßte die alte jüd. Geschichte und Gesetzgebung aus dem Gesichtspunkte des Lacherlichen und Abgeschmackten auf, die christlichen Theologen entsetzten sich vor dieser Anschwärzung der bibi. Zeit, gingen aber mit derselben Auffassung, die einen verhänguißvollen Beisatz von Religionshaß erhielt, an die neuere jüdische Geschichte und jüdisches religiöses Leben. Wir schweigen hier, über Letztere; unsere Zeit hat überhaupt ihren Beruf zur ünparteischen Berichterstattung und Erfassung mehr als in Abrede gestellt; will sich noch Jemand mit Vorliebe an sie halten, so liegt es außer unserm Plane die Controverse zu erneuern. Hingegen ist nicht ohne Interesse zu vernehmen, was das Alterthum sich über Juden und deren Religion erzählte. Hier bedarf es nicht der Controverse: es gilt nur Gegebenes zu referireu, das keines Bekämpsers bedarf und an das sich die Betrachtung knüpft, bis zu welchem Grade die Wahrheit entstellt werden kann. Wir haben in einem frühem Aufsatze die Berichte griechischer Schriftsteller über Juden und Judenthum gebracht ff; wir gehen hier zu den Referaten römischer Autoren über. Hierbei muß natürlich vou mancher beiläustgen Erwähnung, wie sie sich bei Cicero, Horaz n. A. findet, abgesehen werden; wir heben hierum ein specialisirkes Bild der römischen Vorstellungen von der Geschichte und dem Wesen des Judenthums zu erhalten, die vollständigeren Berichte mehrerer fast gleichzeitig lebenden Autoreu hervor, von denen mancher das Religiöse der Juden zum Gegenftande des wissenschaftlichen Forschens macht, mancher ihre Geschichte referirt, ein anderer Religion und Geschichte zugleich bespricht. Nicht wenig merkwürdigist, daß fast bei Allen das Religiöse der Juden ansläuft auf eine — Eselreiterei. Bei den Inden flehet der Esel in göttlicher Verehrung, wird hier allgemein vernommen; die Veranlassung zu dieser abgeschmackten Anschauung ist fast nicht aufzufindeu: und wir wagen kaum anzudeuten, daß etwa das durch Hörensagen entstellte Gesetz, das Erstgeborne l) Vgl. 5. Jahrg. dieser Monatsschrift S. 81 ff.

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