Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 9 (1860)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Collectaneen
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 107 (sequence 10)
- Language
- German
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Wissenschaftlich« Aussätze. 1Ö7 SchMölderS (Berliner Jahrb. 1844, S. 749), dem Kelam ursprünglich ״Schreibfeder" (vom griech. KaXct^oc=קולטום?) bedeutet. Nach so vielen Conjecturen dürste es uns wohl gestattet sein, die Zahl derselben noch durch eine zu vermehren. Wer j« die geschichtliche Fortentwickelung des Jslamismus nur einigermaßen mit forschendem Auge verfolgt hat, dem kann es unmöglich entgangen sein, daß ,sowie der Koran selbst von jüdischen Elementen durchtränkt ist, ebenso auch die nachkoranische Weitergestaltung des Islam sehr viele dem Judenthume theils entnommene, Heils analoge Momente aufzuweisen hat. Wir erinnern hier nur beispielsweise an ein Moment, das im vorjährigen DeceMberhefte dieser Monatsschrift zur Sprache kam. nämlich das Studium der Traditionen bei den Muselmanen. Mehrere Jahrhunderte hindurch ward dieses nur mündlich sortgepflanzt (wahrscheinlich damit die neuern Schriften nicht dem Koran gleich geachtet werden), und der Lehrer gab denjenigen seiner Schüler, die seine Worte begriffen und besonders gut behalten hatten, eine schriftliche Erlaubniß, אגאזה genannt (ähnlich dem rabbinischen הרשאה od. התרה), seine Lehren weiter zu verbreiten. Erst im 3. und 4. Jahrhundert d. H. als die Masse von Doctrinen schon zu groß wurde, begann die schriftliche Aufzeichnung. Nun den Schlüssel zum Verständniß von dem ursprünglichen Begriffe der Namen Kelam und Motekallim dürfte uns ebenfalls ein dem Judenthume analoges Moment bieten. Bekanntlich Heilte sich der Lehr- und Unterrichtsstoff der Moslemen in 2 Gebiete: in die Ueberlieferungslehre des Gesetzes, Fikh (פקה), und in die Forschung über die Wahrheiten und Grundlehren des Islam, Kelam (קי!אם) genannt. Während der Fakih das Gesetz nur nach seinem Inhalte zu lehren suchte, strebte der Motekallim dasselbe durch spekulative Untersuchung zu begründen, Doctrinen der Philosophie in die Worte des Koran hineinzutragen, oder wo er dieselben gegen die letztern in vollem Widerspruche fand, zu bekämpfen und zu widerlegen. Sollen wir nun hier nicht eine dem Judenthume ganz analoge Eintheilung des Lehrstoffes finden? In der That fanden sich auch im Judenthume zwei solche Gebiete neben einander. Während das eine, als der praktische Theil des Lehrstoffes, nur die Ermittelung der Gesetzesübung umfaßte, war das andere, als der religiös-philosophische Theil desselben, das Gebiet der ungebundensten Geistesthätigkeit, die alles, was nicht ausschließlich zum Gesetz gehört,