Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 9 (1860)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Collectaneen
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 101 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Wissenschaftliche Aussätzel!01 abgesührt" — findet sich, wie wir gesehen, nicht in der von bei Rossi und Gcdalia citirten Stelle, sondern an dessen Statt trat der so bedeutungsvolle Satz: ונעמה גו.' Wie ist jedoch dieses höchst eigenthümliche Quidproquo zu erklären? Ich vermuthe daher, daß ein ungründlicher Abschreiber jenen Passus irriger Weise in dem folgenden Sinne auffaffend: ״Simon d. G. habe ihn (den Aristoteles) zum Judenthume bekehrt" —diese eigenmächtige Emendation vorgenommen habe, und ein derart emen« dirtes Manuscript sei sodann dem Verfasser des Meor Enajim in die Hände gekommen. Möge übrigens diese kleine Bemerkung, die keineswegs Anspruchdarauf macht, eine Frage zum Abschluß gebracht zu haben,׳ die schon dei Rossi einer kritischen Untersuchung würdig hielt, andern Forschern, denen ausgedehntere literarische Hülfsmittel zu Gebote stehen, zur weitern Anregung dienen, um eine vielleicht; befriedigende Lösung dieser Frage zu erzielen. . II. ' ' Das Buch Jezira und Jbn Gebirols Mekor Chajim. Bekanntlich war der Sänger der ״Königskrone" ein eben solch hervorragender Forscher, als er ausgezeichneter Dichter gewesen, so daß es schwer zu entscheiden sein dürste, in welchem Gebiete er vor-- zugsweise die Palme der Meisterschaft errungen. So weit sonst diese beiden Gebiete — Philosophie und Poesie, zersetzender Verstand und dichtende Phantasie — auseinander zu gehen Pflegen, so innig begegnen sie sich in den unsterblichen Schöpfungen Jbn Gebirols. Wie sein poetischer Griffel eingetaucht war in di« tiefen Quellen der Meditation, so waren seine philosophischen Forschungen überhaucht mit dem bunten Blüthenstaub poetischer Inspiration. Man wird daher in der so hochpoetischen ״Königskrone" nirgends den Philosophen, sowie andrerseits in der so tief philosophischen ״Quelle des Lebens" keineswegs den Dichter verkennen. — Folgende Stelle in der letztgenannten Schrift scheint nun ebenso aus der poetischen Intuition Jbn-Gebirols hervorgegangen zu sein. Nachdem nämlich dort auf dem Wege spekulativer Forschung die Nothwendigkeit von drei Factoren des Schöpfungsactes entwickelt worden war, und zwar: 1) der göttliche Wille, als erster Beweger alles Seienden; 2) die Materie, als die bloße Fähigkeit oder Möglichkeit des Seins und endlich 3) die Form, durch die erst aus