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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1860-01-01 · Heft 3 · p. Seite 93

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
9 (1860)
Issue
Heft 3
Article
Zur Geschichte der jüdischen Ärzte
Date
1860-01-01
Page
Seite 93 (sequence 2)
Language
German
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93 Am Geschichte der jüdischen Aerzte. waren — Daniel stand in seinem fechszehnten Jahr« — als die Taufe an ihnen soll vollzogen worden sein; und daß der Vater seine Einwilligung nicht dazu ertheilte, ergibt sich aus der ausdrücklichen Bemerkung, daß sie nach Äbsolvirung des Gymnasiums von ihm und den übrigen Verwandten bestürmt wurden, zum Judenthume zurückzukehren. Leuchtet schon aus diesen Momenten das Unglaubliche der Erzählung ein, so kommt noch hinzu, daß der ehrenwerthe Berichterstatter derselben in Kirch- und Taufangelegenheiten nicht viel Glauben verdient! der eigentliche Fabrikant dieser Fabel ist kein anderer als der taufwüthige Esdras Edzardi^), dieser Hamburger Hauptpastor, dem xs Lust und Wonne war, Judenseelen dem Himmel« reiche zuzuführen und der sich kein Gewissen daraus machte, Juden selbst lügenhaft dem Christenthum« zu vindiciren. Sprengte er doch auch aus, daß David Cohen de Lara noch auf dem Todtenbette nach der ״Himmelskost" gelechzt und ihn habe rufen lassen, ihm dieselbe zu reichen! Wir begleiten also die als Juden geborenen, als Juden erzogenen, als Juden gestorbenen Brüder auch als Juden ohne Taufe und ohne Christenthum auf ihrem fernem Lebcnsgange. Schon während des Gymnasialbesuchs genossen die beiden Brüder beim Vater vorbereitenden Unterricht in der Medicin und bezogen später verschiedene Universitäten. Zu Padua, nach Anderen zu Franeker in Friesland erlangte Benedict 1620 die medicinische Doctorwürde, und ließ sich gegen 1622 in seiner Vaterstadt Hamburg als practischer Arzt nieder^). Der Ruf und die Achtung, deren sein Vater sich weit und breit zu erfreuen hatte, verschafften ihm bald «ine ansehnliche Praxis, welche nach dessen Tode noch bedeutend zunahm. Nach wenigen Jahren gehörte er zu den gesuchtesten Aerzten der Stadt, zum Aerger seiner christlichen Collegen, welche es auch an Anfeindungen nicht fehlen ließen. So erschien 1631 von einem gewissen Joachim Curtius anonym ein Libell, welches nicht allein gegen Benedict, sondern gegen sammtliche jüdische Aerzte portugiesischen Ursprungs und ihr Heilverfahren gerichtet war. Dieser Spötter versuchte in dieser Lachen 4) Esdras Edzardus hoc me edocuit schließt Möller, Cimbr, Litterat. II, 135, (vgl. I, 90) die Erzählung. 5) In der Vorrede zu seiner 1847 erschienenen Monomachia (f w. u.). heißt es: Cum itaque per quinque fere luslra praxin medieam in hoc celebri Emporio et alibi summa cum laude et artis gloria (quod tarnen absque jactantia dictum volo) exercuerim.... Hieraus ergibt sich, daß er sich 1622 als Arzt in Hamburg niedergelassen hat.

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