Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1860-01-01 · Heft 3 · p. Seite 90

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
9 (1860)
Issue
Heft 3
Article
Die Juden in Dortmund
Date
1860-01-01
Page
Seite 90 (sequence 10)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2829132-2829248-2829252-2856960--05327-2856991
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

90 Die Juden in Dortmund. Lage und Verhältnisse der Inden berichtet wird. Nicht unerheblich ist der Vorfall, daß 1393 ein Jude einen andern, der Christ geworden war, erstach und sich nach vollbrachter That in's Dominicanerkloster zn Dortmund fluchtete. Der Rath stellte daher den Rechtsgelehrten die Frage: wen man aus einem solchen Asyle holen dürfe? Die Antwort fiel der Art aus-, daß der Jude am Leben erhalten wurde. Etwa hundert Jahre später, am 18. October 1486 wurde ein Dortmunder Jude wegen Dieberei zwischen zwei großen Hunden am Galgen aufgehangen und zwar Alle an den Beinen; die Hunde bissen den- Juden zu Tode. "׳׳. ׳ : Im Jahre 1640 wurde in Dortmund von der Verschmitztheit eines Juden, der von einer Taufmanie befallen war, viel geredet. Um diese Zeit kam ein Jude dorthin und wollte getauft sein. Da er im Hebräischen wohl erfahren war, nahm ihn der Stadt- Vicar Johann Becker aus Begierde die Sprache zu erlernen, zu sich in's Haus, kleidete ihn und unterrichtete ihn in der christlichen Religion; endlich ließ er sich mit großer Andacht taufen, wobei die Vornehmsten der Stadt seine Pathen waren.. Demnächst gab er sich für einen Arzt aus, curirte mit großen: Erfolge und hatte von Nah und Fern Zulauf. In Kurzem ging der Couvertirte in Sammet und Seide und hatte Geräthe von Gold und Silber. Nachdem er Reichthümer gesammelt hatte, verließ er plötzlich die Stadt. Man erkundigte sich lange nach ihm und erfuhr, daß er zu einer hohen Person gekommen sei, bei ihr verschiedene Schelmstücke ausgeübtmnd, zur Untersuchung gezogen, bekannt habe, er sei nicht weniger als 13 mal getauft. Um die 14. Taufe zu verhindern, ließ der weise Rath zu Dortmund ihn aufknüpfen und promulgirte, ein Jude sei gehängt fl. Wohl 400 Jahre lang, hatten die Juden mit kurzen Unterbrechuugen in Dortmund gewohnt, als d. 28. Februar 1896 der Rath den Beschluß faßte, fernerhin keine Juden mehr in der Stadt und Grafschaft zu dulden. Wahrscheinlich kam es auch dieses Mal nicht zn wirklicher Vertreibung, denn am 3. Februar 1705 wurde der dortigen ״Judenschasst sampt und sonders aller Pferde-Handel würcklich bey Leib- und Lebens-Strass" verboten und nur ״denjenigen Juden die Einkaussung der Pferde gestattet, S) Fahne, Dortmunder Chronik, 99, 136, 176.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.