Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 9 (1860)
- Issue
- Heft 2
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 73 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2829132-2829248-2829251-2856902--05301-2856945- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Reeenfionen und Anzeigen. 73 unangreifbar, so istdoch des Anregenden und üeberzeugenden genug geboten, um die bisherigen Ansichten von dem Ursprünge der Fabel bei den Indern oder Egyptern stark zu erschüttern und der ganzen interessanten Frage eine neue Richtung zu geben. Von dem Grundsatze ausgehend, daß es sich bei dieser Untersuchung nicht um das Sprechen der Thiere überhaupt, sondern um die Frage handelt, ob das Thier als Träger einer moralischen Idee von dem Volke, das die Fabel erfunden haben soll, betrachtet wurde, weist der Vers, nach, daß dies in der That in den alten Traditionsschriften geschehen ist und daß überdies einige Thiere schon in der Bibel mit dem Charakter auftreten, mit dem sie die Fabel bekleidet. Die Merkmale des Löwen, des Adlers, des Fuchses, der Schlange, des Hahnes sind in der Bibel dieselben wie in den Sammlungen späterer Apologe (wir wundern uns, daß der Vers, die Behauptung in Chagiga 13 b: מלך אבהיות ארי מלך שבעופות-גשר וכו׳ nicht angeführt hat). Wenn auch keine eigentlichen Thierfabeln in der Bibel Vorkommen, so zeigen doch die in der Regel später entstehenden Pflanzcnfabeln (Richter 9, 8 ff.; II. Reg. 14, 9 ff.) aus das Vorhandensein derselben. Unter den 3090 Maschal des Salomon, ״der über die Bäume, das Vieh, die Vögel u. s. w. sprach", mögen sich auch manche eigentliche Fabeln befunden haben. Deutlichere und häufigere Spuren von Fabeln finden sich im Talmud und in den Midraschim, theils in bloßen Berichten von den משלוח שועלים des R. Jochanan ben Saccai, des R. Merr und Bar Kappara, theils in wirklich ausgeführten Fabeln, die der Vers, in ziemlicher Anzahl mit griechischen und indischen Fabeln von ähnlichem Inhalte vergleicht und immer als die einfächeren und daher auch ursprünglicheren nachweist. Nach dieser Auseinandersetzung schreitet der Vers, zu der engeren Begrenzung der Frage über die Erfinder der Fabel. Die Griechen lehnen selbst diese Ehre ab, indem sie den Aesop, einen Barbaren, zum eigentlichen Repräsentanten der Fabel machen und ihr Fabulist Babrios ausdrücklich die Fabel als 2v(jcop svosft!’ äv&Qit'inojv, als eine alte Erfindung der Syrer, die ehemals zur Zeit des Ninus und Beius lebten, bezeichnet. Einige Forscher wollten diese Syrer mit den. Assyrern identificiren, und die Fabel von diesen zu den Juden übergehen lassen, was aber aus mehrfachen Gründen ebenso wie die Annahme von einem egyptischen Ursprünge unhaltbar ist. Unser Vers, glaubt, daß die Syrer hier wie so oft in alten Schriften mit den Hebräern verwechselt wurden und daß die Namen Ninus'und Belus aus den Urfitz Abrahams Hinweisen. Außerdem finden sich