Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 9 (1860)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die Anfänge der neuhebräischen Poesie
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 68 (sequence 12)
- Language
- German
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68 Wissenschaftliche Aussätze. S. 407); Es ist also möglich, daß Salomo Babli noch älter als Saadia ist. Für die Jugend des babylonischen Poetan sprechen nur drei Notizen, die aber nicht bestimmt genug gehalten sind. 1) Joseph Kosten (in 9 .© עמק הבכא), der ihn nach Benjamin b. Serach und etwa gleichzeitig mit dem Poetan R. Amitai (nach 1096) setzt. Mein der ganze Bericht ist so unhistorisch gehalten, daß darauf gar nichts zu geben ist. 2) R. Efraim aus Bonn tradirt, R. Mose b. Jtiel habe eine liturgische Halacha vernommen aus dem Munde des altern R. Meschulam, und dieser aus dem Munde des Salomon Babli (mitgetheilt von Dukes Orient. Litbl. S. 680, Note 6). Allein das Lebensalter des ר'-משולם הגדול ist nicht bekannt, und es können möglicher Weise in dieser Traditionskettc einige Glieder ausgefallen sein. Endlich setzt ihn 3) der Bericht in Salomo Luria's historischem Responsum scheinbar gleichzeitig mit R. Simon aus Mainz (b. Isaak) und gleichzeitig mit R. Kalonymos aus Lucca; aber wiederum scheinbar vor R. Gerschom ובימיהם (בימי ר׳ האי) — ר׳ שטעון הגדול ממגצא ודי שלמה הבבלי ודי קלונימוס אביו מלוקא 'ומהם קבלו ר' גרשום ממיץ (No. 29). Dieser Bericht ist gerade an dieser Stelle verworren, jedenfalls corrumpirt, so daß sich daraus nichts entscheiden läßt. Wäre es erwiesen, daß Salomo Babli gleichzeitig mit den nach Mainz verpflanzten Kalonymidcn lebte, wie dieser Bericht andeutet, so würde er spätestens dem neunten Jahrhundert angehören. Denn die Verpflanzung der Kalonymiden geschah 887 unter Karl dem Großen. Sein Zeitalter läßt sich also nicht bestimmen, jedenfalls blühte er vor 950, d. h. vor Jbn-Abitur. Sicher ist wohl auch, daß er aus Babylonien ausgewandert ist, darum führte er den Namen Babli, was in seinem Vaterlande keinen Sinn hätte. Salomo Babli war für die Bußelieder eben so Muster, wie Kaliri für die Pijutliturgie. Wir besitzen von ihm nah an 30 Selichot, größtenteils in den deutschen und polnischen Ritus aufgenommen (ich verdanke die Uebersicht der Mittheilung des Hrn. Landshut). Seine Poesie ist nicht besser als die kalirische, ja wo möglich noch härter, denn er brachte ungelenkte Sprachelemente aus dem babylonischen Talmud hinzu. Namentlich sind seine liturgischen Stücke — für den ersten Passahtag, für den ersten Sabbat nach dem Herbstfeste und andere — noch dunkler als die kalirischen, denn auch er zieht an dem Joche selbstaufgelegter Schwierigkeiten und Künsteleien. Die neuhebräische Poesie, welche mit Josö b. Joss einen so schönen -Anfang nahm, artete zu einer Monstrosität aus, weit sie sich nicht