Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1860-01-01 · Heft 2 · p. Seite 67

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
9 (1860)
Issue
Heft 2
Article
Die Anfänge der neuhebräischen Poesie
Date
1860-01-01
Page
Seite 67 (sequence 11)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2829132-2829248-2829251-2856900--05291-2856939
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

m Wissenschaftliche Aufsätze. Mit noch größerer Sicherheit war Salomo der Babylonier (שלמה הבבלי) ein Babylonier, wie es auch mit Recht Luzzato anninunt (מבא p. 12), und man begreift nicht, wie Rapoport ihn zum Römer und Zunz zum Griechen stempeln. Schon der Umstand, daß ihn Raschi und noch ältere als Autorität citiren, hätte darauf׳ führen müssen, daß er aus dem Lande der talmudischen Hochschulen stammte. So wie in Betreff des Vaterlandes, ist ihm auch in Betreff der Zeit Unrecht geschehen. Zunz' Zwickmühle, welche alte Autoren jung macht, stempelt ihn zum Zeitgenossen R. Gerschoms oder vielleicht gar zum Zeitgenossen von R. Gerschoms Jüngern im elften Jahrhundert (Synagogale Poesie S. 166). Nichts kann falscher sein. Denn im Pardes wird zu Gunsten der Pijutim ein großes Responsum des Isaak Halevi, des Lehrers von Raschi, eitirt, und darin heißt es: ״die Heiligen, wie Eleasar Kaliri und Salomo der Babylonier haben statt des Midrasch liturgische Stücke eingeführt" קדושי עליונין כגון ד אלעזר בר קליר ור׳ שלמה הבבלי (vergl. oben S. 24). Nun blühte Isaak Halevi 1000 —1050, und er eitirt bereits diesen Salomo als eine alte Autorität. Ferner ist es bekannt, daß Ascheri Sohn R. Jakob's sich aus die Aboda des Salomo Babli beruft (Tur Orach C-Hajim No. 621) בסדר של ר׳ שלמה הבבלי. Nun eitirt auch Nachmani diese Abodah (in Milchamat zu Joma 1. Ans.) und setzt sie in's hohe Alterthum: אמר הכותב גם בעיני יסלא (תפיסות של עבודת י״כ) אבל אף בסדר עבודת הבבלי אשר מימי רבותינו וכן ברברי הפייט הראשון ר' אלעור הקליד וקרובות הגאונים וחכמי הישיבות. Offenbar meinte Nachmani unter dem Babylonier eben diesen Salomo. Ein handschriftl. Machsorcommentar der Münchner Bibliothek vom Jahr 1238 zählt ebenfalls Salomo Babli zu den ältesten Poetaneu: ודוגמתו יסד יוסי בן יוסי אשר מימי ר׳ אלעור הקליר ור' שלטה הבבלי לא קם גבר לפייט כמותו. Ein weiterer Grund für die Annahme, daß Salomo Babli vor dem elften Jahrhundert gelebt hat, bietet der Umstand, daß Joseph Jbn- Abitur in seiner Aboda Salomos ähnliche Production mit dem Anfang אדרת תלבושת (im Ritus der Romagnolen) benutzt hat, wie schon Luzzato bemerkt (Kobez S. 119). Nun starb I. Jbn- Abitur vor 1014, wanderte aus vor 1000, dichtete wahrscheinlich schon 970 —80. Folglich blühte Salomon noch früher. Endlich führen schon, ältere Commentatoren die Bezeichnung שלטוניות für Bußgebete mit vierzeiligcn Strophen auf Salomo zurück, was eben beweist, daß er als einer der ältesten Selichot-Dichter galt. Nun citirt bereits Saadia gereimte Selichot (vergl. Jahrg. 1859

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.