Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 9 (1860)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Schiller's Sendung "Mosis", zugleich ein Wort für und an Israeliten
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 55 (sequence 11)
- Language
- German
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Schiller's ״Sendung Mosts". 58 Schriftsteller irre geführt, als Physisch und moralisch höchst verworfen und den Abscheu, welchen die Egypter gegen dieselben vermeintlich hegten, in vollem Maße gerechtfertigt. Welche Fol» gerungen, wenn wir die noch heutigen Tages so Bielen geläusigen Argumentationen in Betracht nehmen, mußte er an seine vorgefaßte Meinung knüpfen? Doch wohl, daß die Egypter Recht hatten, eine dem gesammten Volke so verhaßte Menge, die im Laude nur Fremdlinge waren, deren Anwesenheit im Lande seinen übrigen Einwohnern angeblich Schaden und Gefahr drohete, wenngleich ihre vermeintliche tiefe Gesunkenheit durch den bisher gegen sie ausgeübten Druck entstanden war, ja daß Politik, Religion und die in neuerer Zeit so oft vorgeschützte Rücksicht gegen das einmal bestehende Borurtheil es anempsahl, sie von jeder Gleichstellung mit den Uebrigen auszuschließen und ihnen nur Lasten, keine Rechte zu geben? So handelten auch, wie Schiller annimmt, die Egypter gegen die Israeliten, aber er mißbilligt eben dies auf das Entschiedenste. Sein großes, für Freiheit begeistertes Herz faßte diese im rechten Sinne auf, als den Zustand des eignen, wahren Freiseins, verbunden mit dem Bedürfnisse, auch rings um uns her die Freiheit zu schassen, auf der Basis eines weisen Gesetzes ihr heiliges Banner für alle Menschenbrüder auszmichten, und jede ungerechte Fessel zu lösen, welche egoistische Uebermacht dem schwächern auferlegt. So lehrt ja auch das Mosaische Gesetz, das wahre, göttliche Gesetz der Liebe: Wenn ein Fremdling in eurem Lande sein wird, so drücket ihm nicht, gleich dem Einheimischen soll auch der Fremdling sein, der bei euch wohnet, und sollst ihn lieben, wie dich selbst, 3. Mos. 19> 33. 34. Schiller sagt von der Behandlung der Israeliten in Egypten: ״Gegen Menschen, die der Zorn der Götter auf eine so schreckliche Art auszeichnet, hielt man stch Alles für erlaubt, und man trug kein Bedenken, ihnen die heiligsten Menschenrechte zu entziehen." — ״Die Barbarei gegen fie stieg in eben dem Grade, als die Folgen dieser barbarischen Behändlung sichtbarer wurden, und man strafte sie immer harter für das Elend, welches man ihnen doch selbst zugezoqen hatte. Die schlechte Politik der Egypter wußte den Fehler, den sie gemacht hatte, nicht anders, als durch einen neuen und gröber« Fehler zu verbessern". — ,,Eine gesunde Politik", so lautet das Urtheil des gefeierten Mannes, ״eine gefunde Politik würde natürlich daraus geführt haben , fle unter