Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 9 (1860)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Schiller's Sendung "Mosis", zugleich ein Wort für und an Israeliten
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 52 (sequence 8)
- Language
- German
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52 Schillert ״ Sendung Mosts".. vielmehr bei ihm diejenigen, welche von Jerusalem kommen Gesunde, die Aussätzigen aber gegentheils Egypter? So stehet dieser Schriftsteller offenbar im Einklänge mit demjenigen Buche, aus welchem, wer weiß durch wie viele Umwege, die Notiz ohne Zweifel ihm zugekommen, nämlich dem Exodus, in welchem der Aussatz als eine der zehn Plagen Egyptens aufgeführt wird. Der Egypter Manetho sagt demnach nichts Anderes, als was die Bibel an vielen Stellen warnend andeutet und was Loriuser ״Die Pest des Orients" bestätigt, daß Egypten die Heimat der Pest und des pestartigen Aussatzes war und ist, und zwar nicht das höher gelegene Gosen, sondern eben das innere Egypten, das eigentliche Delta, wo im Bereiche der Nil-Ueberschwemmungen die Fäulniß massenhafter Thier, und Pflanzen - Ueberreste einen fortwährenden Heerd ansteckender Krankheit bilde. Zur Erklärung, wie ein solches Uebel bei den Israeliten habe entstehen können, wird zwar gesagt, die Provinz Gosen wäre allmälig zu eng geworden und das nahe Zusammenwohnen so Vieler hätte dann die Krankheit erzeugt. ■ Ist es indeß nicht bewiesen, daß sie da war, so sind solche bloße Bermuthuugen über die mögliche Entstehung um so weniger in Betracht zu nehmen. Auch jetzt wohnen in vielen Städten aller Zonen Menscheu nahe zusammen, was zwar immer der Gesundheit nicht förderlich ist, woraus doch aber nicht überall gleich ansteckende und pestartige Krankheiten entstehen. Ucbrigens hat keine den Umfang der in Gosen wohnenden Kolonie gemessen, Schiller sagt selbst und mit Grund, sie hätten auch dort nomadisch gelebt, wozu viel Raum gehört, und wir ersehen aus der Chronik, daß sie ihre Heerden weit umher und selbst bis nach Palästina hinein getrieben haben. Man führt zwar ans der Bibel an, die Egypter hätten eine Abneigung gegen die Hebräer, als Hirten, gehabt und sucht auch hieraus mancherlei zu folgern. Aber diese Nbneigung war keine persönliche, auch keine politische, sondern nur ritueller Art, gleich derjenigen, welche dem Egypter später ver« wehrte, auch mit Griechen zusammen zu essen, sich ihres Messers zu bedienen und in irgend eine leibliche Berührung mit Griechen und Griechinnen zu kommen, wie Herodot erzählt, II. e. 41. Es ist daher auch nicht ohne Bedeutung, daß es im Exodus heiß:: Alle Krankheit, die ich über die Egypter gebracht, werde ich Dir nicht auferlegen, daß hier nicht und sonst an keiner Stelle etwa heißt, Gott wolle die Israeliten von dergleichen