Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 9 (1860)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Schiller's Sendung "Mosis", zugleich ein Wort für und an Israeliten
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 46 (sequence 2)
- Language
- German
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V 46 Schiller'S Sendung ״ Mofis ״. er ein ihm fern abliegendes Gebiet betritt, wer wollte sich darüber wundern? wer ihm darüber, der so viel Herrliches, Unsterbliches geleistet, einen Vorwurf machen? Wenn wir demnach jetzt auf diesen Gegenstand zu sprechen kommen, so geschieht es nicht, um in den vollen Klang des noch nachtönenden Festes einen Mißklang zu werfen, auch nicht einzig in dem Glauben, daß die in der Ewigkeit wachende Seele Schiller'S — denn nach der Lehre unserer Weisen haben ja die Edlen aller Zeiten, ohne Unterschied der Consession, Antheil am seligen Leben — au dem Siege jeder Wahrheit ein himmlisches Genügen sinden müsse, sondern um noch ein Anderes zu zeigen. Denn das Blatt, auf dem der Geschichtsschreiber, getäuscht, einige falsche Nachrichten Niederschrieb, dient um so mehr der edelnDenkweise des Mensch e n, gleich einem Edelsteine, zur hebenden Folie und weiset überdies noch aus ein Beispiel hin, das dem großdenkenden Manne bei aller Befangenheit nicht entging, und vor dem mancher Israelit die Augen Niederschlagen könnte. Schiller laßt zuvörderst in bemerkenswerthen Worten der innern Herrlichkeit der israelitischen Religion, der mosaischen Lehre, volle Gerechtigkeit widerfahren. Er beginnt seinen Aufsatz mit folgenden Betrachtungen: ״Die Gründung des jüdischen Staats durch Mosis ist eine der denkwürdigsten Begebenheiten, welche die Geschichte ausbewahrt hat, wichtig durch die Stärke des Verstandes, wodurch sie in's Werk gerichtet worden, wichtiger noch durch ihre Folgen auf die Welt, die noch bis ans diesen Augenblick fortdauern. Zwei Religionen, welche den größten Theil der bewohnten Erde beherrschen, das Christenthum und der Jslamismns, stützen sich beide aus die Religion der Hebräer, und ohne diese würde es niemals weder ein Christenthum, noch einen Koran gegeben haben". ״Ja, in einem gewissen Sinne ist es unwiderleglich wahr, daß wir der mosaischen Religion einen großen Theil der Ansklärung danken, deren wir uns heutigen Tages erfreuen."- ״Aus diesem Standpunkte betrachtet, muß uns die Nation der Hebräer als ein wichtiges, nniversalhistorisches Volk erscheinen, und alles Böse, welches man diesem Volke nachzusagen gewohnt ist, alle Bemühungen witziger Köpfe, es zu verkleinern, werden uns nicht hindern, gerecht gegen dasselbe zu sein". So weit also wird der richtigen Ansicht Rechnung getragen, daß man ein Volk nach Demjenigen zu beurtheileu habe, was