Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 9 (1860)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Schiller's Sendung "Mosis", zugleich ein Wort für und an Israeliten
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 47 (sequence 3)
- Language
- German
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Schillers ״ Sendung Mosis". ,47 Ls an geistigem Gute empfing, in sich trug und bewahrte. Von da ab jedoch nimmt das llrtheil eine ganz unwillkürliche, in sich selbst widerspruchsvolle Wendung. Die Nation sei während des Aufenthaltes in Egypten geistig und moralisch unendlich tief heruntergekommen. Sie wäre aber doch das Gefäß und der Kanal gewesen, welche die Vorsicht erwählte, uns das edelste aller Güter, die Wahrheit, zuzuführen. Und warum, wenn es so war, wählte die Vorsehung, der ja so viele Mittel zu Gebote stehen, nicht ein besseres Gefäß und einen geeigneteren Kanal? Und, wenn dies schwer zu sagen ist, wie beweist der Aufsatz die Wahrheit seiner von, den damaligen Israeliten gegebenen geistigen und moralischen Charakteristik? Nur durch die Voraussetzung, ein so lange unterdrücktes Volk könne nicht anders, als in jeder Beziehung entartet gewesen sein. Wir brauchen dies jetzt kaum mehr ausführlich widerlegen. Es ist nicht die noch, wendige Folge, und wir finden ja solche Ausnahmen auch sonst, daß fremder Druck ein Volk begeistere. Auch hat derselbe bei den Hebräern nur etwa hundert Jahre gedauert. Das Gesetz der Knabentödtung erfolgte erst um die Zeit der Geburt Mosis, 80 Jahre vor dem Auszuge, und existirte drei Jahre vorher, bei der Geburt Aharons, offenbar noch nicht. Der Druck erstreckte sich auch nicht aus die nach den offenen Seiten Gosens hin wohnenden Stämme; wie hätten sie dann im Besitze so großer, vieler Hüter fordernder Heerden bleiben können, von denen MoseS schon zu Pharao spricht und um deren willen später einige Stämme wiederum um die offene ostjordanische Landschaft bitten. Moses beruft in Egypten die Versammlnng der Aeltesten, Aharon reiset ungehindert und ohne Furcht, bei seiner Rückkehr deshalb in Strafe genommen zu werden, nach der Wüste. Man muß sich demnach nicht denken, der Frohndienst habe jeden Einzelnen, Alt und Jung gleich in Anspruch genommen, wenn auch Jeder die Schmach beraubter Freiheit, die ein Theil ertrug, schwer mitsi'chlte. Der beste Maßstab aber für die Bildungsstufe des Volkes ist das geoffenbarte Gesetz. Dasselbe gründet sich ״wesentlich auf Intelligenz und persönliche Willenskraft und Freiheit!" Der Monotheismus fordert ein Maß geistigen Verständnisses und eine Feinheit der Abstraction, die in jener Zeit nur dem Volke uralter, chaldäischer Bildung und abrahamitischer Abkunft innewohnten. ״Die feine Moral, welche in vielen Gesetzen sich ausspricht, die zarten Forderungen, welche sie an Selbstüberwindung