Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 9 (1860)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Schiller's Sendung "Mosis", zugleich ein Wort für und an Israeliten
- Date
- 1860-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Schiller's Sendung ״Mosis", zugleich ein Wort für und an Israeliten. Ueberall und stets, auch während der barbarischen Unter׳ drückung, haben die Israeliten stch mitten im Strome der Zeit gehalten. Von allen ihren Ideen lebhaft angeregt, wendeten sie namentlich auch Demjenigen eine theilnehmende Aufmerksamkeit zu, was auf dem Felde der Dichtkunst geleistet wurde: Delitzsch (zur Geschichte der jüdischen Poesie) hat das Verdienst, dies zuerst reichlich nachgewiesen zu haben. Wie solle demnach nicht auch unter ihnen ein Dichter wie Schiller die vollste Begeisternng wecken! So versteht es sich denn um so mehr in gegenwärtiger Zeit von selbst, daß auch die Israeliten bei dem eben seinen Manen geweiheten Jubelfeste sich mit voller Seele betheiligten. Indem nun bei dieser Gelegenheit die ganze Reihe seiner viel und oft gelesenen Werke an unserer Erinnerung vorüberging, mußten wir auch auf die ״Sendung Mosis" znrnckkommen, die zu ihrer Zeit einen tiefen Eindruck zu machen nicht verfehlte. Viele entnahmen dieser Schrift das Bild das sie sich von dem alten hebräischen Volke entwarfen, und zwar nicht nur Nichtisraeliten, sondern auch mancher Israelit, der Bildnng und Aufklärung durch die Verachtung seiner Väter zu bewähren glaubte. Keiner, so viel uns bekannt, wagte sie zu widerlegen, denn Archäologie war ja in jener Zeit eine den Israeliten ganz fremd gewordene Wissenschaft. Die Jrrthümer derselben gingen als ausgemachte Wahrheiten in tausend Bücher über, und gelten Mauchen auch noch jetzt als unbestreitbar. — Die ״Sendung Mosis" ist im Jahre 1789 erschienen. Daß auch ein großer Dichter, ein genialer Kenner neuerer Geschichte, in manchen, ihm minder wesentlichen Punkten irren kann, wenn Frantel, Monatsschnst. IX. 2. 4