Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 8 (1859)
- Issue
- Heft 12
- Article
- Jahresbericht der asiatischen Gesellschaft für das Jahr 1858/59
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 470 (sequence 34)
- Language
- German
- Belongs to
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- Herat 1× ep/1047496
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470 Jahresbericht der asiatischen Gesellschaft für das Jahr 1858/59. es die für Schalen bestimmten Anmerkungen sein müssen. Der Bostan ist nach meinem Dafürhalten ein vollendeteres Werk als der Gulistan, aber er wird in Europa nie dieselbe Popularität erlangen, weil eine Erzählung in Versen durch die Uebersetzung Viel verliert und vielleicht auch, weil er eine mehr mystische Färbung hat. Saadi war kein von Natur dem Mysticismus ergebener Mann; in einem anderen Lande und in einer anderen Zeit wäre er dieser Anschauung wahrscheinlich fremd geblieben; aber in Persien wurde jeder gebildete und mit einem gewissen Grade von Phantasie ausgestattete Mann nothwendiger Weise Ssufi. Man war von der Trockenheit der officiellen Religion abgefloßen und flüchtete sich in den Ssufismus, der das einzige Asyl sür die Denkfrciheit war. Es war dies nicht immer ein'Mysticismus von echtem Gepräge, ohne daß man ihn deshalb der Affectation bezüchtigen könnte; es war eine Richtung, die die Mode und die Literatur dem Geiste eines Volkes gegeben hatten, dem die Formeln des Islam nie genügten, eine Richtung, die sich mit allen Charakteren vereinigen konnte, mit der selbstversunken en Hingebung des D j e l a l - e d d i n - R u m i und F e r i d - e d d i n - A t t a r, mit der heiteren Ausgelassenheit eines Hafiz, mit der Eitelkeit eines gebildeten Mannes wie Nizami und mit der eines Gelehrten wie Abdarrahman Djami Dieser letztere ist ein prächtiges Beispiel des unvollkommenen, aber aufrichtigen Ssufismus. Geboren in Chorasan, im I. 817 der Hegra, Sohn eines Gelehrten, machte er frühzeitig seine Studien mit großer Auszeichnung. Er wurde noch jung in den Ssufismus eingeweiht, unternahm nach der Gewohnheit seiner Zeit mehrere Reisen um berühmte Gelehrte und Scheiche zu besuchen, und verbrachte den größten Theil seines Lebens zu Herat mit Studium und in einer solchen Zurückgezogenheit, wie es ihm die große Gunst, deren er sich bei den timurischen Fürsten seiner Zeit zu erfreuen hatte, gestattete. Er war ein Mann von vielem Wissen und sehr lebhaftem Geiste, in weltlichen und geistlichen Angelegenheiten als eine große Autorität angesehen und umgeben von der tiefen Verehrung, welche die Muselmanen zu allen Zeiten und mehr als jedes andere Volk einem dem Missen und der Beschauung gewidmeten Leben zollen. Er verfaßte ׳ eine ungeheure Anzahl von Büchern in Versen und Prosa über die verschiedensten Gegenstände, von denen einige in Europa veröffentlicht wurden. Herr Wickerhausenb) fügt diesen nun eine kleine aus 8) Blüthentranz aus Dschami's zweitem Diwan von Moritz Wicker-