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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1859-01-01 · Heft 12 · p. Seite 455

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
8 (1859)
Issue
Heft 12
Article
Jahresbericht der asiatischen Gesellschaft für das Jahr 1858/59
Date
1859-01-01
Page
Seite 455 (sequence 19)
Language
German
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IRI
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Jahresbericht dir asiatischen Gesellschaft für das Jahr 1858/59. 458*» Wortes Massen? Der Kampf war lang und lebhaft und füllte unter verschiedenen Formen die ersten Jahrhunderte des Lhalifats aus; seine Geschichte ist noch größten Theils zu schreiben, und Nichts ist so schwierig, als seinen Faden durch die scheinbar sterilen, von beiden Parteien zu Hilfe gerufenen Dicussionen der Scholastik zu verfolgen. Mehrere Male schien der liberale Geist den Sieg davon zu tragen; und als der Chälise Mamun entschied, daß der Koran in der Zeit und nicht von Ewigkeit her erschaffen sei, konnte man glauben, daß die Wissenschaft einen enscheidenden Sieg errungen habe; denn unter diese bizarre Form hatte sich damals der große Kamps zwischen Theologie und Philosophie versteckt. Man sah im christlichen Mittelalter dieselbe Frage in einer eben so sonderbaren Weise ausgestellt; denn Nichts erscheint dem menschlichen Geiste schwieriger, als gerade aufs Ziel loszugehen; aber die muselmanischen Theologen gewannen immer die Oberhand und verwarfen alle fremden Wissenschaften, mit Ausnahme der Mathematik, der Medicin und der aristotelischen Dialektik, die sie von ihren Antagonisten zu entlehnen für nothwendig erachteten. Die Freunde des freien Denkens machten im 10. Jahrhundert unserer Aera eine neue Anstrengung, um die Freiheit der Erforschung des Wahren zu erlangen, und die Wissenschaft und Philosophie mit der Auslegung des Korans in Einklang zu bringen. Eme Gesellschaft von Gelehrten, die den Namen ״Brüder der Reinheit" annahmen, bildete eine geheime Verbrüderung, deren Hauptsitz Basra war und organisirte Logen in anderen Städten. Sie veröffentlichte 51 Abhandlungen über die exacten Wissenschaften, über die Kenntnis der Natur, über den Menschen und die göttlichen Dinge, Abhandlungen, deren Ganzes sicherlich eines der interessantesten Erzeugnisse der arabischen Literatur ist. Es ist wahrscheinlich, daß sie. noch esoterische Doctrinen hatten, die in den Abhandlungen nicht tradirt werdest; aber man sieht an dem, was sie veröffentlichen, daß ihre Metaphysik eine neuplatonische war und daß der Versuch, sie mit dem Koran zu versöhnen, eine Art Gnosticismus erzeugte, was das unfehlbare Resultat jeder Mischung monotheistischer und pantheistischer Ideen ist. Aber, abgesehen von ihrer geheimen Theologie, kann man die Reinheit ihrer Moral, die Freiheit ihres Denkens und ihre Achtung vor der Wissenschaft nicht genug bewundern. Wenn ihre Lehren in den arabischen Schulen ihrer Zeit die Oberhand gewonnen hätten, so ist es möglich, ja sogar wahrscheinst ch, daß dje Muselmanen jene Superiorität über die Europäer, die sie damals unbestritten besaßen, sich weiter erhalten, haben würden;

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