Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 8 (1859)
- Issue
- Heft 12
- Article
- Jahresbericht der asiatischen Gesellschaft für das Jahr 1858/59
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 453 (sequence 17)
- Language
- German
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Jahresbericht der asiatischen Gesellschaft für das Jahr 1858/59. 48A entzweiete, sich zuweilen durch Satyren für die ihnen früher gespendeten Lobeserhebungen rächte, Er beschloß sein Leben nach verschiedenen Schicksalen, indem er es heldenmüthig opferte, um .einen Vers, den er früher zu seiner eigenen Verherrlichung gedichtet hatte, nicht Lügen zu strafen. Im Gänzen ist er eine eigenthümliche Persönlichkeit, der es an Würde nicht fehlte, obzwar sie mit Fehlern behaftet ist, die aus ihrer Stellung erwuchsen und die der Geist der Zeit entschuldigte und guthieß. Es haben sich von ihm ungefähr 300 Gedichte erhalten, die vom Anfänge an Jahr- Hunderte hindurch der Gegenstand der Bewunderung, der Kritik und zahlloser Kommentare blieben; sie waren selbst in Europa die Veranlässung zahlreicher Discussionen über die streitige Frage von den Vorzügen ber arabischen Poesie. Diese Frage ist, wenigstens in der bisher aufgestellten Weise, nicht lösbar; denn das, was, wir den Kassiden des Motenabbi und den meisten orientalischen Dichtungen zum Vorwurf machen, ist es gerade, was Diejenigen reizt, für die sie geschrieben wurden. Wir können kaum die Volksthümlichkeit eines Autors begreifen, der selbst für seine Zeitgenossen eines Commentars bedarf, und Motenabbi bedurfte dessen gewiß, weil er vor Ablauf eines Jahrhunderts deren vierzig fand. : Aber wir lesen viel und schnell, während die Araber wenig-und langsam lasen und oft noch einmal lasen, so daß der Dichter sich aller Feinheiten der Sprache hingeben konnte,-wozu keine Spräche geeigneter ist als die arabische; er konnte Anspielungen, Alliterationen, Wortspiele anhäufen, ohne sich der Gefahr auszusetzen, ein Publikum zu ermüden, welches liebte, die verborgenen Feinheiten eines Lieblingsschriftstellers nach und nach zu entdecken. Wir beklagen uns zwar, über die ewige Wiederholung des Lobes der Tapferkeit, der Freigebigkeit und der Beredtsamkeit in diesen Gedichten, aber die Araber halten diese Borzüge für die einzigen, die besungen zu werden verdienen, und sie haben sie mit unvergleichlicher Kraft geschildert. Jede Poesie ist blos Aeußerung der Gesinnungen des Volkes, und^wenn sie diese mit -genug Wahrheit -und Kraft schildert, um die gebildeten Männer der Nation zu befriedigen, so erreicht sie ihren Zweck und nimmt einen Platz in der Weltliteratur ein. Die Stelle anlangend, die jeder Dichter in seiner nationalen Literatur einnehmen soll, so hat bloß die eigene Nation darüber zu entscheiden, und wenn er sie, wie Motenabbi,. Jahrhunderte, lang behauptet, so müssen wir das UrtHe.il seinen, natürlichen-Richter annehmen, deren Entscheidung, nach langen und leidenschaftlichen Erörterungen, darauf Hinauszuläufen Iran 1 rl, M onatsschrift. VIII. 12. 3 5