Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 8 (1859)
- Issue
- Heft 12
- Article
- Jahresbericht der asiatischen Gesellschaft für das Jahr 1858/59
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 452 (sequence 16)
- Language
- German
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452 Jahresbericht der asiatischen Gesellschaft für das Jahr 1858/59. Stämmen und in ihren Volksliedern die klassische Sprache, von der man nicht abweichen wollte, zu studiren, und man bemerkte nicht, daß man durch diesen zu weit getriebenen conservativen Geist die Natur der Poesie selbst veränderte, daß sie eine gelehrte Poesie wurde, nachdem sie früher eine urwüchsige, aus sich selbst hervorquillende war. Aber sie war so lange die einzige Ausdrucksweise der Araber gewesen, daß diese stufenweise Veränderung ihren Einfluß nicht derminderte; sie blieb in Bagdad das Organ der öffentlichen Meinung, die Quelle des Ruhmes und der Schande, wie sie es bei den Wüstenstämmen gewesen war. Die neuen Poesien waren das. einzige Mittel der Publicität, sie bildeten in allen Zusammenkünften der Gebildeten den gewöhnlichen Unterhaltungsstoff und verbreiteten sich mit großer Schnelligkeit über das ganze Reich. Dieser Stand der Dinge erzeugte Poeten von Handwerk und die Großen säumten nicht, deren Lob, als das sicherste und leichteste Mittel zum Ruhme zu gelangen, anzustreben. Aehnliche Umstände erzeugten in anderen Zeiten analoge Resultate; man sieht die griechischen Städte sich um das Lob Pindars und seiner Genoffen streiten und es sehr theuer bezahlen, man . findet einen ähnlichen Wetteifer an den feudalen Höfen zur Zeit der Troubadours und Trouvöres, und in Italien bei den Fürsten des 15. Jahr- Hunderts; aber ich glaube, daß . zu keiner Zeit und bei keinem Volke der Einfluß der Dichter so groß wie bei den Arabern war, und nirgends wurden sie so glänzend belohnt wie.bei den muselmänischm Fürsten. Keiner dieser Hofpoeten erreichte einen Ruhm, der sich mit dem des M ot en a b bi vergleichen ließe, dessen Gedichte Herr Dieterici in Berlin jetzt hcrausgibt^). Nichts könnte uns eine bessere Idee und ein schlagenderes Beispiel von der Lage und der Stellung dieser Hofpoeten geben als das Leben des Motenabbi. Er ward zu Rasa im Jahre 303 der Hegra geboren. Sohn eines Wasserträgers verbrachte er seine Jugend in der Wüste, aus welcher er eine vollkommene Kenntniß der seinen Sprache, einen ziemlich schroffen Stolz, große Tapferkeit und den Willen, ein Prophet zu werden, mitbrachte. Er stiftete eine Secte, wurde eingekerkert, entsagte der Rolle eines Propheten und begnügte sich, ein Kriegsmann und Hofpoet zu sein, was er bis an seinen Tod blieb, indem er sich für-verschiedene Fürsten schlug, ihre Helden- und Wohlthaten besang, sich mit ihnen 1) Mutänabbii Carmina, cum commentäriis Wahidi, ex libris ms., qui Vindobonae, Gothae, Lugduni Batavorum atque׳ Berolini asservan* tur, edidit Fr. Dieterici. Pars prima: Berlin 1858 in 4. (372 8.).