Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1859-01-01 · Heft 12 · p. Seite 445

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
8 (1859)
Issue
Heft 12
Article
Jahresbericht der asiatischen Gesellschaft für das Jahr 1858/59
Date
1859-01-01
Page
Seite 445 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2829132-2829234-2829247-2856842--05167-2856862
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Jahresbericht der asiatischen Gesellschaft für das Jahr 1858/59. 445 die Theologie. Rechtswissenschaft, Geschichte und die mathematischen Wissenschaften sich entwickelten, wandte man auf sie die von den Traditionisten erfundene Methode an und jedes Studium nahm die Form des Traditionsstudiums an. Mehrere Jahrhunderte hindurch wurde jede Doctrin ausschließlich mündlich gelehrt und von den Schülern auswendig gelernt. Der Lehrer gab dann denjenigen, die seine Worte begriffen Und besonders gut behalten hatten, eine schriftliche Erlaubniß, seine Lehren unter seinem Namen und seiner Aegide weiterzuverbreiten 1 2). Man begann die schriftliche Aufzeichnung dieses traditionellen Wissens erst im 3. und 4. Jahrhundert, als die Masse der Doctrinen schon zu groß wurde und das Bedürfniß, sie unter einander zu vergleichen, sich fühlbar machte, jedoch ohne daß die mündliche Ueberlieserung und der Brauch, Erlaubnißscheine zur Weiterverbreitnng auszustellen, durch die wachsende Anzahl der geschriebenen Bücher unterbrochen worden wäre. Es wäre schwer ein besseres Beispiel der Art zu finden, in welcher die Bücher durch eine fortwährende Tradition zu Stande kamen, als dasjenige, welches uns die Geschichte Mekka's von Azraki^ bietet, deren Text soeben durch Hrn. Wüstenfeld veröffentlicht wurde und den ersten Band der Chroniken Mekka's ausmacht, die der unermüdliche Editor für die deutsch-morgenländische Gesellschaft in Angriff genommen hat. Azraki's Chronik ist das Werk zahlreicher Generationen einer in Mekka seit der Entstehung des Jslam wohnenden Familie. Der erste Azrakide war ein nach Mekka geflüchteter Syrer, den Mohammed in dem Stamme der Koreischiten naturalifirt hatte. Sein Sohn, der von ihm ein großes, an die Kaaba anstoßendes Haus geerbt hatte, war der Erste, der den Hof des heiligen Hauses während der nächtlichen Processionen beleuchtete. Dieses selbe Haus wurde später angekaust und zur Vergrößerung des Vorhofes der Kaaba zerstört; die Glieder der Familie aber erscheinen noch Lei anderen Gelegenheiten in Berührung mit dem Tempel. 1) Dieser Erlaub nißschein, die mündlich empfangenen Lehren weiter zu verbreiten, wird von den Arabern — Erlaubniß genannt, was dem rab׳ binischen mnn, .ד,ר«אד entspricht. Ein mit diesem Schein Belehnter heißt נלגאז —Licentiat. Anm. des Uebers. 2) Die Chroniken der Stadt Mekka, gesammelt und auf Kosten der deutschen morgenländischen Gesellschaft herausgegeben von Wüstenfeld. Erster Band. El«Azraki's Geschichte und Beschreibung der Stadt Mekka. Leipzig 1858 in 8. (XXIX u. 518 S.). Der dritte Band dieser Sammlung ist schon früher erschienen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.