Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 8 (1859)
- Issue
- Heft 12
- Article
- Jahresbericht der asiatischen Gesellschaft für das Jahr 1858/59
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 444 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2829132-2829234-2829247-2856842--05166-2856861- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
444 Jahresbericht der asiatischen Gesellschaft für das Jahr 1858/59. scheinlich, daß eine gewisse Anzahl vollkommen wahrer Traditionen nicht angenommen wurden; anderseits ist aber, nicht vorauszusetzen, daß wirklich wesentliche Dinge blos von diesen ausgeschlossenen Zeugen bezeugt wurden. Ein Theil dieser verworfenen Tratidionen wurde uns in den Traditionssammlungen der Schiiten erhalten und der Eindruck, den die Vergleichung dieser Hadits mit den aus der Untersuchung der Orthodoxen hervorgegangenen hervorbringt, spricht zu Gunsten dieser letzteren. Herr Wüstenfeld hat in der Vorrede seiner Ausgabe die Zeugnisse für und gegen die Glaubwürdigkeit des Jbn Jshak mit Sorgfalt zusammmgestellt, und die Strenge, mit welcher die Tradition dieses Schriftstellers controlirt wurde, die Nichtigkeit der wenigen ihm gemachten Vorwürfe, die offenliegenden Motive seiner Tadler und die zu seinen Gunsten sprechenden Zeugnisse können in dem Geiste des Lesers keinerlei Zweifel über den Werth der uns von ihm gebotenen Materialien übrig lassen. Das Werk Jbn Jshaks ist übrigens keine neu entdeckte Quelle, deren Erschließung den allgemeinen Anblick der Geschichte Moham» meds verändern könnte; es diente den Erzählungen der muselmanischen Geschichtsschreiber zu allen Zeiten zur Grundlage, und auch die europäischen Gelehrten, die unsere Kenntuiß von der Zeit des arabischeu Propheten so sehr beförderten, haben sich desselben oft bedient. Aber eben diese Fortschritte erregen eine größere Neugierde, fordern eine strengere Kritik aller Ereignisse, die das große Ereigniß der Entstehung des Islam betreffen, und machen die Veröffentlichung aller Original-Documente, auf welchen die Geschichte dieser Zeit ruht, nothwendig. Mit jeder neuen Arbeit über diesen Gegenstand treten der Charakter des Mannes, sein Zweck, der Grad seiner Bildung, die Förderniffe und Hemmnisse, welche ihm die Institutionen und der Zustand des Landes darboten, klarer zu Tage; man sieht deutlicher alle Motive, die ihn in allen Theilen seines öffentlichen Lebens bewegten, die Zweifel und Schwankungen, zuweilen die Verzweiflung, die ihn umlagerten und die verschiedenen Phasen ehrlicher Ueber-- zeugung und politischer Berechnung, die er durchlaufen. Wir können die feinsten Züge dieser Gestalt studiren, und die unzusammenhängende Masse der Weissagungen, aus denen der Koran zusammengesetzt ist, bekommt ein unerwartetes Leben, wenn man unterscheiden lernt das, was verschiedenen Epochen angehört und welches die Impulse waren, nach denen ihr Urheber handelte und sprach. Das Studium der Traditionen.über Mohammed war der erste Unterrichtszweig, der bei den Muselmanen aufkam; und als später