Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 8 (1859)
- Issue
- Heft 11
- Article
- Der philosophische Gottesbegriff in den arabisch-jüdischen Schulen
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 427 (sequence 9)
- Language
- German
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Wissenschaftliche Aussätze. 427 Ganz dieselbe Ansicht, und noch entschiedener im Ausdruck, finden wir wiederholentlich bei-Levi ben Gerson ausgesprochen. Dagegen verzichtet der fromme Bachja auf jede Lösung dieser Frage, sie ist zu transcendent und daher durch speculative Forschung nicht zu finden, Saadia jedoch versucht das auf folgende Weise. Gottes Vorauswissen der menschlichen Handlungen ist keineswegs die Ursache ihres Geschehens; sondern der Mensch entscheidet sich nach seiner Wahl zu einem von zwei möglichen Fällen, Gott aber weiß im Voraus schon, wozu der Mensch nach seinem freien Willen sich entschließen werde. Dies« Präscienz Gottes übt daher durchaus keine nöthigende Kraft auf die menschlichen Handlungen aus. ״Die Handlungen geschehen nicht, weil sie Gott weiß, sondern Gott weiß sie, weil sie geschehen"^). ״Das Wissen Gottes von Dem, was sein wird, ist eben so wenig Ursache desselben, als das Wissen von Dem, was gewesen mar4 5 6 7״). Albo jedoch kann sich mit dieser Lösung der Frage nicht befriedigen, weil hierdurch das Vorauswissen Gottes fast ganz aufgehoben wird.׳ Eben so ungenügend ist ihm andererseits, was Jehuda halevi von den Mittelursachen (סבות אמצעיות) argumentiren will, weil dies wieder die menschliche Willensfreiheit ausheben heißt. Es ist ihm daher das Befriedigendste, was Maimoni hierüber lehrt: Gottes Wesen und Wissen ist eins; so wenig wir nun das Wesen Gottes zu begreifen im Stande sind, eben so wenig auch sein ׳Wissen. Maimoni resumirt fünf Punkte, in denen das göttliche Wissen vom menschlichen sich unterscheidet, l) Gott umsaßt in einer Vorstellung die verschiedenartigsten Objecte. 2) Seine Allwissenheit erstreckt sich über das noch nicht Vorhandene. 3) Sic umfaßt das Unendliche. 4) Sie erleidet keine Veränderung durch die Wahrnehmung der stets werdenden Dinge. 5) Das Wissen Gottes hebt die Möglichkeit zweier Fälle nicht auf, obwohl er genau weiß, welcher von beiden eintreffen wird§). Dies führt uns auf einen berühmten Terminus der arabischen Philosophie: Gott ist das Denken, das Denkende und das Gedachtes, 4) Meda, Pf. 103. 5) Kusri 1.0. 6) More III, 20. — Auch die Scholastiker sagten von der Erkenntniß Gottes, sie geschehe immsälats, 81ns discursu et uno actu. 7) Bei Jbn-Esra, Pent. Com ment. Exod. 34, K: ד.זי>!1בת• ידע!דעת 1יחע; bei Maim. Iesode Hathora II» 10: הו» היודע זד,!א הידוע והוא הדיעה עצטה;