Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 8 (1859)
- Issue
- Heft 11
- Article
- Der philosophische Gottesbegriff in den arabisch-jüdischen Schulen
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 425 (sequence 7)
- Language
- German
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428 Wissenschaftliche Aussätze. messen, das Wissen Gottes zu bestimmen, da doch, ihrer eigenen Behauptung zufolge, das Wissen und das Wesen Gottes identisch sind. Viel schwieriger erschien die Frage, wie sich die Allwissenheit Gottes mit der Natur des Möglichen 7)r und dadurch mit der menschlichen Willensfreiheit verträgt. Wenn Gott nämlich die futura contingentia schon im Voraus kennt, dann tst der Mensch nicht mehr frei und zurechnungsfähig zu nennen. Es konnte diese Frage um so weniger verfehlen, das Nachdenken der jüdischen Forscher auf sich zu lenken, da dieselbe innerhalb der zeitgenössischen islamitischen Schulen zu den Hauptfragen gehörte und sogar eine Ursache mit zur Spaltung in die mannichfachsten Secte» war. So wurden die Motazaliten eben deshalb ursprünglich al-Kadarija genannt, weil sie dem Menschen das Kadar (בסרל^ת>, d. i. die Willensfreiheit zueignetenund im Munde des zum Fatalismus sich bekennenden Moslemen ward dieses Epitheton bald ein Schimpf, dessen zuletzt auch die eigne Seele sich schämte. Diesen Kadartten gegenüber stand als direkter Gegensatz die Secte der. Mug'abbira, die dem Menschen alle Freiheit absprach und seine Handlungen blos Gott als der Alles bewirkenden Ursache zuschrieb, die Natur des Möglichen ganz aufhob und so dem Dogma des al-Kadar dasjenige des al-Gabar entgegensetzte. In der Mitte zwischen den beiden, — den Anhängern der absoluten Freiheit und der absoluten Nothwendigkeit — stand ein Theil der Aschariten, die dem Menschen doch einen Schein von Freiheit, eine Art Fähigkeit (אילאכחםאב , hebr. קניה oder ריוח) zu gestanden 3). Fast bei allen jüdisch-arabischen Religionsphilosophen machte . טבע האפשר (7 ׳ 8) So eitert Haarbrücker aus den Mawakif (ed. Sörensen, p. 334) folgende Stelle: ״Sie haben den Beinamen Kadarija, weil sie die Handlungen der Geschöpfe auf deren eigne Macht (Kudra) zurückführen und das Kadar Gottes dabei leugnen". 9) An diese vermittelnde Lehre der Aschariten denkt auch More I, 51, wo es heißt: הקניה iS יש San והאדם אין לו פעל כללי (tm Origin.: אלאנסאן לים לה פעל ■בונה לכנה לה אלאכתסאב). — Aus diese Stelle Maimuni's bezieht sich Ez chajim c. 86.— Etwas beinahe Aehnliches zeigt uns die christliche Kirchengeschichte an dem Semipelagianismus, der zwischen Augustinern und Pelagiauern vermittelnd lehrte, der Anfang der Besserung liege in der Macht des Menschen, undi nur zur Vollendung müsse die Gnade hinzutreten. Vgl. Geffken Historia senüpelagianismi antiquissima (Güttingen 1826).