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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1859-01-01 · Heft 11 · p. Seite 422

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
8 (1859)
Issue
Heft 11
Article
Der philosophische Gottesbegriff in den arabisch-jüdischen Schulen
Date
1859-01-01
Page
Seite 422 (sequence 4)
Language
German
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422 Wissenschaftlich c Aufsätze. II. Aber da taucht die schwierige Frage aus! Wir wollen und können uns doch keineswegs Gott als die willen- und absichtslose Ursache denken, aus der die Welt mit Nothwendigkeit hervorging, wie Licht und Wärme von der Flamme, oder wie die Kälte von dem Eise mit Nothwendigkeit ausgeht, sondern wir denken uns Gott als die mit freiem Willen wirkende Weltursache — Willen jedoch setzt einen Uebergang vom Nichtwollen zum Wollen, also Veränderung voraus, welcher Uebergang nur durch ein Afficirtwerden durch äußere Objecte oder innere Affecte entstehen kann — Gott hingegen können wir uns weder veränderlich, noch äußern oder innern Eindrücken gegenüber leidentlich denken. Auch setzt Wille immer, ein Begehren nach einem mangelnden und erst zu erreichenden Gegenstände voraus, was aber ebenfalls bei Gott nicht anzunehmen ist —> wie ist also Willen mit dem Begriffe eines Nothwendig-Existirenden, d. i. ein« fachen, unveränderlichen, mangellosen Wesens zu verbinden? Auf diese, die ganze jüdische, muhammedanische und christliche Scholastik des. Mittelalters durchziehende Frage, wurde verschiedentlich geantwortet. Zunächst: Wille setzt ein Afficirt- und Verändertwerden nur bei solchen Wesen voraus, die wegen eines außerhalb des Willens liegenden Zweckes handeln. So der Mensch, der ein Haus bauen will, dies nicht eben seines Willens, sondern nur des Hauses, des Besitzes oder des darin Wohnens wegen will, welcher Wille freilich immer eine Veränderung, ein Begehren u. dgl. voraussetzt. Wenn jedoch der Wille'nur eben im Willen sein Object hat, dann sind keine Beweggründe zur Anregung des Willens nöthig. Da indcß ein derartiger Wille bei allen geschaffenen Wesen durchaus keine Analogie findet, so fehlt uns jedes Verständniß des göttlichen Willens und also auch jedes Kriterion hierüber. — Maimoni, der diese Frage also zu lösen versucht, nennt׳ selber diese Lösung eine subtile und schwer faßliche 7). Andere wollen dieser Frage derart aus dem Wege gehen: Bei Gott, sagen sie, ist der Wille kein in der Zeit entstandener (רצוןמחודש), sondern er ist ewig wie Gott selber (רצון קדום). So hat Gotivon Ewigkeit her gewollt, daß um diese und diese Zeit die Welt ihren Anfang nehme, oder daß in diesem und diesem Zeitabschnitte die 7) More II. 18.

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