Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 8 (1859)
- Issue
- Heft 11
- Article
- Die Anfänge der neuhebräischen Poesie
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 411 (sequence 11)
- Language
- German
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411 Die Anfänge der neuhebräischen Poesie. Autoritäten unter dem Namen Eliah Haitom oder Hajatom. Indessen kann der Zweifel nur sich so weit erstrecken, ob Jose b. Jose ein Palästinenser oder Babylonier war, ein Europäer war er keinesweges. Denn weder hatten die europäischen Gemeinden vor der Verpflanzung des Talmudstudiums nach Europa durch die babylonischen Gefangenen Mose b. Chan och und Nathan den Babylonier '(950) eine so tiefe Kenntniß der talmudischeu Elemente eigen, wie Ben Joses Abodah voraussetzt, noch waren sie des hebräischen Sprachschatzes so mächtig, um ihn poetisch verwenden zu können. Auch wären schwerlich Ben-Joses Name und seine Dichtungen, falls er ein Europäer gewesen wäre, den Repräsentanten der babylonischen Hochschulen bekannt und von ihnen beachtet worden. Die Wiege der neuhebräischen Poesie war, unstreitig das heilige Land oder dessen Vicarius, das Land der gaonäischen Lehrhäuser. Joss b. Jose war, so wenig wir auch von seinen biographischen Verhältnissen kennen,, ein echter, reichbegabter Dichter, der das Erhabene durch einfache Mittel zur Anschauung zu bringen wußte. Seine Diction ist kräftig, kernig und leicht verständlich. Er tyrannifirt noch nicht die hebräische Sprache, sondern läßt sie sich unter seiner Hand gefügig schmiegen, und wenn er neue Formen bildet, so behalten sie ihr biblisches Gepräge. Seine Abodah könnte man ein liturgisches Epos nennen, sie ist ,mit vieler Geschicklichkeit angelegt. Sie besingt zuerst Gottes Größe, den alle von ihm erschaffene Creaturen in feurigen Hymnen Preisen. Bei dem Gemälde der Schöpfungsgeschichte deutet der Dichter die hagadische Ansicht an, daß die Thora vor dem Schöpfungsacte als Gottesidee gelebt bat, und stellt sie hiermit׳ als Endzweck des Weltalls hin. Die Abodah-Cvmposttion kommt dann auf die Erschaffung des ersten Menschen, dem der Schöpfer einen paradiesischen, reizend geschilderten Aufenthaltsort zum Wohnsitze bestimmt hat: ״Hält er mein Wort, so sei er wie ein Gott, Uebertritt er es, so verwandle ich ihn in seinen Urstoff zurück/' Gott hat dem ersten Menschen Einsicht und Prophetengabe , zugetheilt. Als aber das erste Menschenpaar Gottes Gebot übertreten: ״Wurde es mit welkendem Laube bekleidet, ״Statt eines Wolkengewandes, einer himmlischen Hülle." Aus dem Paradiese vertrieben, wurde ein Felsenriff seine Heimat.