Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 8 (1859)
- Issue
- Heft 11
- Article
- Die Anfänge der neuhebräischen Poesie
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 412 (sequence 12)
- Language
- German
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412 Die Anfänge der neuhebräischen Poesie. Der Dichter schildert hieraus die Fortpflanzung des ersten Menschen, die Opscrgaben Kains und Adels, und'daß Gott beim Opfer auf Gesinnung, nicht auf Schein sieht. Den reuigen Brudermörder ließ Gott das große Wort ״Verzeihung" vernehmen. Die Abodah Jose b. Jose's schreitet daun fort zur Schilderung der (agadischeu) ersten Fluth unter Enoch, ״als das verkehrte Geschlecht den Namen des Einzigen mit Götzen vertauschte," zur Sündfluth, zur Neuverjüngung der Erde, zum Thurmbau und zur Sprachverwirrung bis zur Zeit Abrahams, des ersten wahren Gottesverehrers. Schön ist die Schilderung, wie der Erzvater aus der staunenden Naturbetrachtung zur Gotteserkenntniß gelangte: ״Er sah d«n Lauf des Heldengestirns, Stark beim Ausgang und schwach beim Untergang, Sah die Himmelsfenster für des Mondes Wachsen und'Schwinden, Der Blitze Pfeile, der Sterne Glanz, laufend und kreisend. Da dachte er im inner» Herzen: Einen Herrn haben sie Alle, Ihm will ich nachwandeln. Dem Tiefbetrachtenden kam Gott entgegen und zeigte ihm den Weg des Lebens. Abrahams Bedeutung schildert Jose mit erhabenen und gedrungenen Versen, verweilt dann beiJakob, deutet die Geburt der zwölf Stammväter an, geht aus den Stamm Levi näher ein, schildert die drei Kinder Amrams, das Prophetenideal, das Priesterideal und ihre Schwester. Beim Priesterthum in dem Ahronshause angelaugt, hat der Dichter einen leichten Uebergang zu dem Cultusact am Versöhnungstage, den er nach halachischen Angaben ausführlich schildert. Er hat der großen Erinnerung aus der gnadenreichen Zeit passende Worte geliehen. Dieses liturgische Epos Jose b. Joses besteht aus zwei und zwanzig Strophen, jede Strophe aus acht Versen mit alphabetischen Akrostichen. Dieses Moment ist auch das einzige Kunstmittel an dieser Composition. Das alphabetische Akrostichon schon in der biblischen Poesie angewendet, wurde auch von den syrisch-kirchlichen Dichtern nachgeahmt, und wurde ein Lieblingsmittel für die spnagogale Poesie. Obwohl Ben- Joses Verse kein sichtbares Metrum haben, so entbehren sie doch nicht ganz einer gewissen rhythmischen Gliederung. Sie sind durchweg viertheilig, und jedes Glied besteht in der Regel aus zwei Wörtern; wo drei Vorkommen, muß. man sich je zwei davon makafstrt denken.