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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1859-01-01 · Heft 11 · p. Seite 404

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
8 (1859)
Issue
Heft 11
Article
Die Anfänge der neuhebräischen Poesie
Date
1859-01-01
Page
Seite 404 (sequence 4)
Language
German
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:404 Die Anfänge der neuhebräischen Poesie. Preisgedichte) mit sich im Gedächtnisse herumzutragen und stets gegenwärtig zu haben , erinnerte die Inden daran, daß auch sie eine schöne, reiche, tiefe Poetische Literatur haben, die würdig ist, beachtet zu werden. Begeisterung ist eben so ansteckend wie Geistcsstumpsheit, und sie erweckte in den Luden mit dem Sinn für Poesie überhaupt auch Liebe für ihre heilige Literatur. Ohnehin waren sie genöthigt, sich mit der Bibel in ihrer Ursprache vertraut zu machen, um der Polemik gewachsen zu sein, welche die Anhänger des Religionsstisters von Mekka und Medinah gegen die Bekenner des Judenthmns führten, indem sie ihnen vorwarfen, wie es früher die Kirchenväter gethan, sie hätten den Bibeltext gefälscht und Andeutungen auf die Ankunft Mohammeds daraus getilgt. Die mohammedanischen Araber haben die in geistigen Schlummer versunkenen Juden des Orients aufgerüttelt und, so wie ihr Auge für großartige Geschichtserscheinungen geöffnet, so auch sie indirecr zum Urquell der Bibel zurückgeführt. Die Rückkehr zur Bibel hat sogar unter ihnen einige Secten erzeugt, welche noch vor Anan, dem Stifter des Karäerthums, an der Hand der heiligen Schrift gegen den Talmud ankämpsten. Die Beschäftigung mit den biblischen Urkunden, der geweckte Sinn für correkte Sprachformen und die erwachte Lust an poetischen Gestaltungen haben die neuhebräische Poesie angeregt. Sie ist nicht älter als der Islam. Die syrische Kirchenpoesie, der Manche die Anregung für neuhebräische Dichtung zuschreiben, war selbst eine Schülerin der arabischen Poesie. Sie hatte ebenfalls von ihr den Reim und andere Kunstformen entlehnt, die sie früher nicht kannte. Wie Jehuda Al-Charist feine Muse zu Makamen-Dichtungen anseuerte, damit ,,Sarah, die Herrin, nicht niedriger erscheine als Hagar, die Sklavin," so mochte ein warmer Verehrer der heiligen Sprache es bitter empfinden, daß ״ Eber ״ :וסע ״ Arab" verstummen müsse. Die lange verödete Zionstochter hatte wieder Liebe in den Gemüthern gefunden, und die Frucht dieser Liebe war die nruhebräische Poesie. Sie hatte zwar mit der alten, biblischen. Poesie nur Familienähnlichkeit -und war ihrem Wesen und ihrer Form nach von dieser grundverschieden; sie erscheint wie ein Kind im Alter gezeugt; aber sie hat nichts desto weniger ihre eigenen Schönheiten und gewinnenden Züge. Wer war der erste neuhebräische Dichter? Zu welcher Zeit trat er guf? Durch welche besondere Mittel und Anregung ist

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