Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 8 (1859)
- Issue
- Heft 11
- Article
- Die Anfänge der neuhebräischen Poesie
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 403 (sequence 3)
- Language
- German
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Die Anfänge der neuhebcäischen Poesie. 403 werden können. Dort war das Aramäische und noch dazu in einer verdorbenen Mundart und mit persischen Elementen versetzt zu Hause. Der Vorwurf, welchen R. Jehuda, der Patriarch, seinen jüdischen Zeitgenossen machte: ,,Wozu sprechen sie in Judäa Syrisch, mögen sie sich des Hebräischen oder Griechischen bedienen; und wozu sprechen sie in Babylonien Aramäisch, warum nicht entweder Hebräisch oder Persisch?"— dieser Vorwurf wegen verdorbener Mischsprache war im Laufe der Zeit noch viel mehr gerechtfertigt. Die Vorliebe den Südjudäer für correcte Sprache hatte sich allmälig verloren. Der Galiläer mit seinem Kauderwelsch hatte über den Judäer gesiegt. Ein Jargon ist aber nickt im-Stande, Poesie zu erzeugen; denn Sprachverdorbenheit ivirkt auch auf Anschauung und Gedankenbildung nachtheilig ein. So schien dann die unsterbliche heilige Sprache ausgestorben zu sein oder sich als sterbende hinzuschleppev, und es bedurfte dazu einer aufrüttelnden geschichtlichen Erscheinung, um ihre Auferstehung und Verjüngung zu bewirken. Diese tief in die Geschichtsgestaltung eingreifende Erschei» nung war die Entstehung des Islam. Mit dem Rufe: ״Es gibt keinen Gott, als den genoffenlosen Allah!" mit dem Koran in der einen, mit dem Schwerte in der andern Hand waren die verschiedenen Stämme Arabiens, unter dem Banner einer neuen, halb dem Judenthume entlehnten Religion geeinigt, durch Wüsteneien in das persische und byzantinische Reich gedrungen, hatten in überraschend kurzer Zeit hier Palästina und Syrien entrissen, dort Babylonien (Irak) und Persien erobert und in die Bersumpfung jener Länderstriche frische Triebkraft gebracht. Die Juden Palästinas und Iraks wurden Anfangs von den siegenden Mohammedanern nicht schlecht behandelt, weil sie ihnen während der Kriege Vorschub geleistet und Manches zu den raschen Siegen beigetragen hatten. Sie befreundeten sich daher mit dem jungen Islam, erlernten die arabische Sprache schnell, weil sie mit ihrer gemischten Mundart Verwandtschaft darbot, und lernten überhaupt wieder sich einer correcten Sprache bedienen. In kaum einem Jahrhundert waren die Juden des Morgenlandes, von dem Ostgestade des Mittelmeeres bis zum Indus äußerlich, acabisirt. Die Begeisterung der Araber für ihre Sprache und Poesie, welche sie über den Koran die heroischen und erotischen Lieder ihrer berühmten Dichter aus der heidnischen Zeit nicht vergessen ließ und es ihnen ermöglichte, die zahlreichen Moallaka's (gekrönte 31 *