Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 8 (1859)
- Issue
- Heft 10
- Article
- Bemerkungen zu Moses Mendelssohns Briefen
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 378 (sequence 5)
- Language
- German
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378 Bemerkungen zu Moses Mendelssohns Briefen. ein ״Dienstsreundliches Promemoria an Die, welche den Herrn Moses Mendelssohn durchaus zum Christen machen wollen, oder sich doch herzlich wundern, daß er es noch nicht geworden ist" (8. 1. 1771, 30. S.) in welchem der darin vertheidigte Jude ״recht viel Vernunft findet. Der christliche Anonymus äußert sich recht sreimüthig über die Zudringlichkeit der Glaubenseiferer, ״den Berlinischen Gelehrten, von dein inan sich jetzt in den meisten Gesellschaften unterhalt", zu eurem öffentlichen Bekeuntniß aufzufordern. ״Was soll das Geschrei an allen Ecken, gleich den Weinrufern, die für richtige Bezahlung nach einer erlernten Formel, Abnehmer anlocken? Die Sache ganz vpn der Nähe betrachtet, bewegt zum Unwillen oder zum laut lachen" (S. 6). Der gesinnungstüchtige Verfaffer dieser kleinen Schrift meint, es bedürfe bei Mendelssohn keines L. K. H. (Lavater, Kölbelc, Hesse), noch $. U. Z, und ruft den Proselytenmachern allen Ernstes zu: ״Ihr werdet unter den Christen Leute genug finden, die in der Lehre und Wandel eurer Ermahnungen bedürfen; arbeitet erst an diesen; alsdann, wenn ihr ganz mit ihnen fertig seid; als« dann erst umziehet Land und Wasser, schreibt, ruft, ermahnt, aber schimpfet nicht, um neue Mitglieder zu werben, nur hütet euch, daß ihr aus ihnen nicht zweifache Kinder der Höllen macht" (S. 26 ff.). Auch nach hundert Jahren noch schöne, beherzigenswerthe Worte! Zum Schluß dieser Bemerkungen kehren wir mit Herrn Or. Adler zu dem Fragment eines Briefes zurück (Maiheft 101), dessen Datum abgerissen und in welchem Mendelssohn berichtet, daß er in Angelegenheit der Schwester seines Freundes an den Präsidenten Stubenrauch in Dessau geschrieben habe. Wird auch unseren Lesern sehr wenig daran gelegen sein, zu erfahren, daß Moses Mendelssohn — aber warum schreibt Herr D1\ Adler immer.Mendelsohn?— einem Dessauer Präsidenten einmal geschrieben habe, so dürfte sie doch der Umstand interessiren, daß der Sohn dieses Präsidenten, der als Professor in Halle lebte, keine geringe Meinung von seinem jüdischem Landsmann gehabt hat. Professor Stubenrauch war der Onkel des mit- Gliedern der Mendelssvhn'schen Familie in spätem Jahren vertraut gewordenen Schleiermachers, welcher als Herrnhuter Zögling bald nach dem Tode Mendelssohns dem Onkel in Halle schrieb: ״Mendelsohns Tod ist Ihnen ohnstreitig bekannt; vielleicht haben Sie auch das Distichon in den Zeitungen gelesen: Es ist ein Gott: Das lehrte Moses schon; Doch den Beweis-davon gab Moses Mendelssohn. Darauf hat man hier folgende Parodie gemacht: