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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1859-01-01 · Heft 10 · p. Seite 373

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
8 (1859)
Issue
Heft 10
Article
Jesuiten und Judenkinder um 1693
Date
1859-01-01
Page
Seite 373 (sequence 9)
Language
German
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Jesuiten und Judenkindcr um 1693. 373 Jesuitenschrift in den ״Grenzboten" kein anderes Motiv zu Grunde liege, als die Absicht, ״׳den Unterschied zwischen Sonst und Jetzt bemerkbar zu machen." Wer aber Augen hat um zu sehen, für den liegt es auf der Hand, daß der Grenzbotenartikel und das Büchlein, wenn auch in Einleitung und Schluß noch so verschieden, innerlich doch einem und demselben Zwecke dienen. Wenn aus den einleitenden und Schlußworten des Büchleins ungeschminkter Judenhaß, und aus denen des Grenzbotenartikels honigsüße Judenfreundlichkeil hervorguckt: so beweist das nur, wie fein meisterlich die Herren ihre literarischen Producte je nach dem Publikum zuzustutzen verstehn! Die Brochüre ist für Gevatter Schuster und Handschuhmacher berechnet, in deren Gemüthern vielleicht schon so Etwas von Toleranz, oder gar judenfreundlicher Gesinnung Wurzel gefaßt hat. Denen mußten daun die-Buchstaben ellengroß vorgemalt, denen mußte unter Zeter und Mordio die ״erschreckliche" Thatsache beigebracht werden, daß ״der-Fanatismus der Juden, um auch nur eine Seele und zwar noch dazu eine kindlich reine für die Gemeinde zu erhalten, selbst vor dem größten Verbrechen des Kindesmordes nicht zurückschreckte." Während der Grenzbotenartikel die Gebildeten bearbeiten und wie ein kaltes Sturzbad ihre Theilnahme für die Familie Mortara ein wenig abkühlen soll. Und um sich recht bei -en Aufgeklärten und Toleranten zu insinuiren, wird vorn und hinten in wenigen Zeilen blinder Lärm geschlagen, aus dem die Paukenschläge von ״Humanität, Sittlichkeit und confesstoneller Beschränktheit" besonders laut hervorschallen, um das tolerante Ohr an den Ton zu gewöhnen, und inzwischen predigt der sechzehn Seiten lange, ohne allen kritischem Apparat hingestellte Jesuitenbericht von Kindesmord, falschen Eiden und Gott weiß was für Schandthaten, welche die Juden verübt haben. Dies ist das ״Einiges von allgemeinem Interesse, was, wie die ״Grenzboten" stch ausdrücken (S. 441), ״aus den freudelosen Zuständen, kläglichen Verirrungen des Jesuitenberichts zu lernen ist." Wir freuen uns der Gewißheit, daß der größte Theil von Europa's Christenheit den Standpunkt ihrer Lehrer und Forscher in Jesuitenberichten überwunden hat. Möchten die Herren, statt den lügnerischen Ohrenbläsereien alter Jesuitenpatres zu lauschen und ihre ״Berichte" zu verbreiten, mit klarem Auge und vorurtheilsfreiem Sinne unter die Juden der Gegenwart blicken, es würden ihnen edlere Gestalten entgegentreten, als Herr Freitag

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