Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 8 (1859)
- Issue
- Heft 10
- Article
- Jesuiten und Judenkinder um 1693
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 374 (sequence 10)
- Language
- German
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374 Bemerkungen zu Moses Mcndelssohn's Briefen. geschaffen hak. Ist es ein Wunder, wenn man sich in die Be-- trachtung von ״Lazarus Abeles" und ״Levi Kurtzhandl" und hundert anderen mittelalterlichen Juden vertieft, und noch dazu einen Jesuitenpater zum Führer hat, daß man alsdann ״Jtzig Veit" und ״Banqnier Ehrenthal" zu-Repräsentanten des heutigen Judenthums macht? Könnten sie , die Kritiker des neunzehnten Jahrhunderts der Anschauungen des Mittelalters sich entschlagen, sie würden, statt ״zu bedauern", sich freuen, ״daß die Juden in der neuesten Literatur eine so bedeutende Rolle gespielt haben." Die ״Grenzboten" können die Zeit in ihrem Laufe nicht zurückdrängen, auch wenn sie Wagenseil, Eisenmenger und Consorteu ״ausziehen" und modernisiren wollten. Sie werden sehen, daß die Toleranz, welche nunmehr׳ kein Concordat, keine Jesuiten- Mission aus. dem Herzen vernünftiger Christen zu reißen vermag, daß die Emancipatiou, welche die Juden nachgerade in allen Ländern trotz ״Soll und Haben" haben sollen und werden, dem vergilbten Jesuitenbericht abermals.das Grablied singen wird. Dr. M. Güdemann. Bemerkungen zu Moses Mendelssohns Briefen. 6 ■ Herr Landrabbiner"vr. Adler in Cassel hat in mehreren Heften dieser Monatsschrift einige bis dahin ungedruckte Briese Moses Mendelssohn'S veröffentlicht und sich dadurch den Dank aller Freunde und Verehrer dieses Glanzsterns des Judcnthums erworben. Diesen Briefen einige berichtigende und erklärende Bemerkungen hinzuzufügen, sei uns im Folgenden gestattet. Zunächst ein Wort über den im Maiheft S. 170 ff^ abgedruckten Brief der Frau Fronunet Mendelssohn. Dieser Brief kann unmöglich 1760) חק״כ) datirt fein', da Frommet in diesem Jahre noch gar nicht die ״Frau des Moses aus Dessau" gewesen ist. Mendelssohn war noch im October 1761 verlobt, wie sich dieses aus den beiden uns erhaltenen Briefen an seine Braut (Ges. Schr. V, 419 ff..) deutlich ergibt, und hatte sich erst Anfangs Juni 1 7 6 2 verheirathet. Den 4. Juli 1762 schreibt der junge Gatte seinem Freunde Abbt: ״Seit einigen Wochen habe ich keinen Freund gesprochen, an keinen Freund geschrieben, nicht gedacht, nicht gelesen, nicht geschrieben; nur getäudelt, geschmaust, heilige Gebräuche beobachtet, mich bald