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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1859-01-01 · Heft 10 · p. Seite 372

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
8 (1859)
Issue
Heft 10
Article
Jesuiten und Judenkinder um 1693
Date
1859-01-01
Page
Seite 372 (sequence 8)
Language
German
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372 Jesuiten und Judenkinder um 1693. Seit wann besitzt denn Herr Julian Schmidt selbst diese Unbefangenheit? Hat er doch, er, der Kritiker einer halben Welt, in seiner Literaturgeschichte es sich-nicht versagen können, als würdiger Nachahmer einer bekannten Fabelfigur den tobten ״Löwen", Börne und Heine, blos darum weil sie zu den Juden gehören, welche ״drei Viertel unserer heutigen Literatur ausmachen", einige Fußtritte zu versetzen! Und wo bleibt sein kritisches Gewissen dem Jesuitenbericht gegenüber? Hat er nicht den ganzen sauberen Jesuitenkram mit/einem Geflunker, seinem albernen Wundergeschwätz und Lügengewebe stillschweigend gutgeheißen, wenn er das Vorrecht des Redacteurs so wenig geltend macht, daß er nicht einmal ein kopsschüttelndes Fragezeichen in die Spalten des Berichts einrückt? Es scheint überhaupt — und das allein könnte die Aufnahme der Jesuitenschrift in die ״Grenzboten" entschuldigen — als wenn in religiösen Dingen der christlich-germanische Sinn des Herrn Julian Schmidt mit seinem kritischen Bewußtsein durchginge! Wir sind indeß den Herren Redactenren der ״Grenzboten" . noch die -Fortsetzung unserer Geschichte schuldig. Der Verfasser des Grenzbotenartikels sagt uns (S. 444), daß ״ein wortgetreuer Abdruck" der Jesuitenschrift unthnnlich sei und die Lesewelt sich mit einem so treu als möglichen — leider nur zu treuen! — ״Auszug" begnügen müsse. Nun aber findet sich in dem obengenannten anonymen Büchlein, das der ״Grenzboten" mit keiner Silbe gedenkt, nicht bloß dieser ״Auszug" von Wort zu Wort, mit denselben Absätzen, derselben Jnterpunction abgedruckt, sondern es hat sogar, wovon ein flüchtiger Blick überzeugt,' selbst die einleitenden Worte des Grenzbotenartikels benutzt. Will man nun, dem gesunden Menschenverstand zu Ehren, nicht annehmen, daß ein so in die Augen springender, so wörtlicher Nachdruck, noch dazu in einer und derselben Stadt möglich ist, gibt es alsdann ein anderes Auskunftsmittel, das uns die bis aus Einleitung und Schluß vollkommene Gleichheit des Büchleins und des Grenzbotenartikels erklärlich macht, als die Annahme, daß der-Verfasser des letztern und der anonyme Herausgeber des Büchleins eine und dieselbe Person sind? Was sonst noch an diesem eigentümlichen literarischen Rätlssel zu lösen ist, das löst sich von selbst. Wer sich was weis machen lassen will, der mag immerhin glauben, daß der Mittheilung der

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