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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1859-01-01 · Heft 10 · p. Seite 371

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
8 (1859)
Issue
Heft 10
Article
Jesuiten und Judenkinder um 1693
Date
1859-01-01
Page
Seite 371 (sequence 7)
Language
German
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Jesuiten und Judenkindcr um 1693. 371 schiedener Culturepochen, als die Absicht, ״den Unterschied zwischen Sonst und Jetzt bemerkbar zu machen?" Nun so wollen wir den Herren Redacteuren der ״Grenzboten" eine Geschichte erzählen. Im Anfänge dieses achtzehnhundert neunundfünfzigsten Jahres wurde in Leipzig dieselbe ״Geschichte des Jndenknaben Simons Abeles", die vorher in den ״Grenzboten" mitgetheilt ward, ohne Angabe des Herausgebers durch einen Separatdruck veröffentlicht. Etwa auch aus Interesse an culturhistorischen Studien, zur Verdeutlichung ״des Unterschiedes zwischen Sonst und Jetzt?" O nein! Das Büchlein , wenngleich selbst ungetanst, hat seiner jndenfeindlichen Tendenz gar kein Hehl; es will, wie man aus den einleitenden und Schluß-Worten ersteht, durch die Mitteilung des jesuitischen Productes die allgemeine Theilnahme für die Mortara-Familie ersticken, will durch die Vorführung eines jüdischen Vaters, der an seinem eigenen, mit dem Christenthum liebäugelnden Kinde zum Mörder wird, die Maßregeln Antonelli's und seiner Sbirren rechtfertigen, will mit einem Worte unter den Christen böses Blut machen. Und dieselbe ״Geschichte", deren Veröffentlichung so offenbar dem Zwecke der Aufreizung dient, sollte von den ״Grenzboten" blos zur Verdeutlichung des ״Unterschiedes zwischen Sonst und Jetzt" mitgetheilt worden sein? Ist sie, wie sie ganz in den harten, man könnte sagen, in den unfläthigen Ausdrucken des ״gottseligen" Jesuitenpaters, ungereinigt von den Ammenmährchen, von den gemeinen Anschwärzungen der Juden, von der Blasphemie gegen ihre Religion und ihre Sitten, ungesänbert von den bestechenden, täuschenden, wenngleich vor dem kritischen Blicke in Nichts zerfließenden Scheingebilden, ohne die mindeste kritische Anmerkung einem gemischten, besonders in solchen Dingen aus gut Glück glaubenden Leserkreise wiedererzählt wird, ist sie, so fragen wir, geeignet, daß, wie es in dem zuckerwasserartigen Schlußwort des Grenzbotenartikels heißt, ״der Leser, der mit Abscheu aus die fanatischen Münder sieht, sich mit nicht geringerem Abscheu von den fanatischen Priestern abwende?" Muß sich nicht des Lesers, ohne daß er sich dessen versteht, jene mittelalterliche, gehässige Stimmung bemächtigen, die ihn aus den Blättern des Jesuitenberichts anweht? Oder traut man etwa dem Leser so viel kritische Absicht, so viel confessionelle Unbefangenheit, ja — diese genügt nicht— so viel Eingenommenheit für die Inden zu, daß der Artikel seiner toleranten Gesinnung keinen Abbruch thun sollte?

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