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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1859-01-01 · Heft 10 · p. Seite 368

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
8 (1859)
Issue
Heft 10
Article
Jesuiten und Judenkinder um 1693
Date
1859-01-01
Page
Seite 368 (sequence 4)
Language
German
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368 Jesuiten und Judenkindcr um 1693. denknaben" erzählt uns der Jesuit im Eingänge seiner Schrift (S. 444) als ein Pröbchen ״gottseligen Handelns" die durch die ״Hoch- und Wohlgcborene Gräfin von Zinkow" hinter dem Rücken der Eltern verübte Entführung einer ״kleinen Jüdin", weil dieselbe ״kaum auf ühre Füße gekommen, (810!) eifrig getauft zu ,werden wünschte." Also ein weiblicher Antonelli! — In diesem Falle leisteten die Eltern des entführten und ״außerhalb der Eltern Angesicht zur Taufe beförderten Kindes" wie es in jenen Zeiten leider nur zu oft geschehen mußte, passiven Widerstand, sonst aber, bemerkt der Jesuit, ״war der Juden Treulosigkeit durch allerlei Ränke bemüht, jede Bekehrung zu Hintertreiben." Zunächst fragen wir, was im umgekehrten Falle die Christen gethan haben würden? Sodann wollen wir einmal uutersuchen, welcherlei Ränke ״der Inden Treulosigkeit" anznzettelu sich unterstand! Ein jüdischer Vater zu Prag, ״ein wahrer Israel", will sich und seine vier noch unmündigen Kinder taufen lassen, während die dem Judenthum getreue Ehegattin, ״der dieser Kinderraub, wie einer Löwin der Verlust ihrer Jungen, schwer zu ertragen war, wenigstens um zwei von den entrückten Kindern anhielt. Das hochweise erzbischöfliche Amt aber gab das Urtheil von sich, daß dem Manne, der nächstens getauft werden solle, alle Kinder zugehörten". So abgewiesen, war sie, um wenigstens ״die fünfte Leibesfrucht, die noch unter ihrem Herzen verborgen lag" zu retten, ״emsig beflissen, die Zeit ihrer Niederkunft vor den Christen zu bergen". ״Es ist aber kein Rath wider den Herrn!" will sagen, gegen den Herrn Jesuitenpater Johannes Eder! Sehen wir, wie derselbe Vorsehung spielt! Er veranlaßte, ״daß eine christliche Hebamme zu der jüdischen Wöchnerin be- ״ordert werde, ob diese durch einen weiblichen gottseligen ״Fund das Kind der Mutter heimlich entrücken könne! ״Die durch männliche Gottseligkeit ״allbekannte Ludmilla" ״weiß zu der Wöchnerinzu gelangen, überreicht das mitge- ״brachte Weihwasser der-christlichen Hebamme, und fordert sie ״mit kräftigen Worten auf, das Kind zu entbinden und 'zu ״taufen. Die Sache ging an. Die Hebamme erwischte ״das Kind und taufte das Neugeborne. Die Kind- ״bettin aber sprang rasend aus dem Bette und riß ihr das Kind ״mit heftigem Geschrei gewaltthätig (?) aus den Händen. So- ,, fort fand sich der Stadtrichter mit bewaffneten Männern ein, ״um das nunmehr christliche Söhnlein von der Mutter ab-

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