Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 8 (1859)
- Issue
- Heft 10
- Article
- Jesuiten und Judenkinder um 1693
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 367 (sequence 3)
- Language
- German
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Jesuiten und Judenkinder um 1693. 367 ״Jahrhunderts die konfessionelle Beschränktheit überwunden re." Gleichzeitig haben die ״Grenzboten" ein von einem Jesuitenpater, Johannes Eder, am Ende des siebzehnten Jahrhunderts verfaßtes Schristchen auszugsweise zur Verdeutlichung des schrillen Gegen-, satzes zwischen Sonst und Jetzt mitgetheilt. Wir sagen: zur Verdeutlichung des schrillen Gegensatzes zwischen Sonst und Jetzt, denn die ״Grenzboten" sagen das selbst, und wir haben vorläufig kein Recht den ״ehrenwerthen Grenzboten" eine andere als die von ihnen ausgesprochene Intention zu unterschieben. Wozu wir aber nicht blos berechtigt, sondern sogar verpflichtet sind, das ist eine kritische Behandlung der genannten Jesuitenschrift, welche die sonst so kritischen ״Grenzboten" dieses Mal merkwürdigerweise vorzunehmen verabsänmt haben. Leider ist es uns nicht möglich den langen Auszug, welchen die ,,Grenzboten" mittheilen, hier wiederzugeben. Die Thatsache, um die es sich handelt, ist — nach dem Bericht des Jesuiten, dem wir aus Mangel an anderweitigen Quellen unbedingt, jedoch nicht wider unser kritisches Bewußtsein, glauben müssen •— die durch einen Juden vollführte Ermordung eines jüdischen Knaben unter dem Vorwissen seines Vaters zu Prag im Jahre 1694. Was die Form und die Haltung des Jesnitenberichts betrifft, so offenbart derselbe, wenn wir den schlagendsten Ausdruck gebrauchen sollen, eine Bosheit, die es uns zur Pflicht macht, seinen übrigen Mittheilungen gegenüber mit unfern Zugeständnissen ans der Hut zu sein, ja die uns vielleicht zur Rücknahme unsers Zugeständnisses in Betreff des Mordes überhaupt bestimmen könnte. Die Herren Jesuiten waren dieses Mal nicht jesuitisch genug, ihren brennenden Judenhaß unter der Maske der Jndensreundlichkeit zu verbergen. Um unfern Lesern einen schwachen Begriff von der Zungenfertigkeit zu geben, mit welcher der Angehörige einer unter der edeln Devise ״zum größeren Ruhme Gottes" handelnden Societät die Inden begeifert, führen wir ans einer langen Litanei von Schimpfnamen nur folgende, den ersten zwei Seiten des Berichts entnommene Benennungen an: Judenvolk, arglistige Judenköpfe, Judengeschmeiß, Hebräer mit den scharfen Luchsaugen rcder Wohnsitz der Inden heißt: ״das Egypten der Judenstadt." Man ersieht schon hieraus, daß der Bericht nicht mit vorurtheilsfreier Gesinnung abgefaßt ist. Gehen wir aber einmal näher auf denselben ein! Als Präludium zu diesem großen Melodrama von der ״erschrecklichen Ermordung des In- 28 *