Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 8 (1859)
- Issue
- Heft 10
- Article
- Jesuiten und Judenkinder um 1693
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 366 (sequence 2)
- Language
- German
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366 Jesuiten und Judenkinder um 1693. Besitzes antreten! Oeffentliche Organe innerhalb des Judenthums speicherten getreu die Errungenschaften auf, welche die mächtige Hand..der Cultur nach und nach den Juden erkämpft hatte, und hoben den freundlichen Freiheitsschimmer der Gegenwart durch einen Vergleich desselben mit der Nacht einer unseligen Vergangenheit. Die Anerkennung, welche weise Fürsten verdienten Männern unserer Nation durch Ordensverleihung zollten, die Toleranz, welche den Juden die Pforten der Parlamente öffnete und ihnen selbst den Weg bis zu den Stufen des Thrones bahnte, empsing eine größere Weihe, erregte eine innigere Freude durch den Gedanken, daß noch vor Kurzem ekele Abzeichen uns von den übrigen Menschen unterschieden und ausschiedett, daß vor nicht ferner Zeit unduldsame Regierungen die Söhne Israels in abscheuliche, Ghettos und Judengassen verworfenem Gesindel gleich eiupserchten. Die Vergleichung der Zustände verschiedener Culturepochen — gleichviel aus welchem Gebiete sie stattfindet bietet immer viel Interessantes, und es kann uns nicht Wunder nehmen, wenn auch von Männern, die nicht zu uns gehörten, die Veränderungen in der Rechtszuständigkeit und der gesellschaftlichen Stellnng der Juden, welche die neuere Zeit stoßweise herbeigeführt hat,,mit großer Theilnahme beobachtet wurden; sind sie doch die geistigen Siegestrophäeu, welche die Cultur auf ihrem Zuge um die Welt aufgepflanzt hat! — Auch die ״Grenzboten" hüben in dem einundfunszigsten Hefte des verssossenen Jahrgangs, anknüpfend an die Mvrtara- Geschichte, ihren Leserkreis mit cin er vergleichenden Darstellung der jüdischen Verhältnisse von Sonst und Jetzt beschenkt. ״Die Mortara-Angelegenheit", heißt es daselbst S. 441, ״beschäftigt seit einigen Monaten die gesammte ״zeitungslesende Welt. Der Fall ist wohl geeignet, den Unter- ״schied zwischen Sonst und Jetzt bemerkbar zu machen. Die ״päpstliche Regierung steht als Beschützerin eines ruchlosen Be- ״kehrungseifers in grellem Gegensätze zu der öffentlichen Meinung; ״Millionen Christen aller Consessionen nehmen Antheil an dem ״Eingriff in die Rechte einer einzelnen Familie, zahlreiche Pe- ״titionen werden wie in England und Frankreich, so auch im ״protestantischen Deutschland versaßt; diplomatische Acte und ״ öffentliche Aeußerungen einiger Staatsregierungen sind nöthig ״geworden. Solch allgemeiner Antheil an dem Schicksal eines ״jüdischen Kindes ist bei uns erst seit Kurzem möglich. Humanität' ״und Sittlichkeit haben erst seit der zweiten Hälfte des letzten