Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 8 (1859)
- Issue
- Heft 9
- Article
- Der philosophische Gottesbegriff in den arabisch-jüdischen Schulen
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 350 (sequence 12)
- Language
- German
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350 Wissenschaftliche AufMe. Aber so erhaben Gott .über die Zeit ist, eben so erhaben.ist er auch über den Raum. Denn erklären wir>mit Arist, den Raum als die jeden Körper umschließende Grenze, so daß ,es mithin jenseits aller Körperlichkeit auch keinen Raum geben kann; oder definiren da von Arist. die Ewigkeit der^Bewegnng behauptet wird, an kein Aufhören zu denken ist. Es kann der Zeit durchaus kein Anstchsein zugeschrieben werden, denn jedes Seiende muß aus Seiendem bestehen, was aber bei der Zeit durchaus nicht der Fall ist. ״Ein Theil ist gewesen und ist also nicht mehr, der andere wird sein und ist mithin noch nicht. Das Jetzt aber ist nicht Theil der Zeit" (ro {118ע yuQ avtov yeyove, xal ovx 8<fttr ro fA&lsr, xcd ovnoj — ro vvv, ov tu8Q0g. — Phys. IV, 10). Diese Dialektik beruht auf die Spaltung der Zeit in Vergangenheit und Zukunft mittelst des Jetzt, welches aber nicht als Theil der Zeit, sondern als Grenze - derselben erkannt wird. (Vergl. Levi Len Gerschom, Eomment. zur.Genes. Vers כעת חיה). Da mithin alle Th eile der Zeit entweder vergangen oder zukünftig sind, folglich ist nichts au ihr seiend. Die Zeit ist mithin nur ein Aceidenz der Bewegung, und es erscheint darum denjenigen, die in einer ge- - wissen Zeit keine innere noch äußere Bewegung durchgehen, diese Zeit,selbst als nicht verflossen, wie dies von Arist. an dem mythologischen Beispiele von beit neun Söhnen des Herakles und der Thesiadea nachgewiesen wird. — Diesem aristotelischen Zeitbegriffe trat in den arabischen Schulen eine andere Theorie entgegen, und zwar die der Motekallemin. Der Kelam nämlich, von der Prämisse ausgehend, daß ein Aceidenz nicht Träger eines andern sein könne, .konnte die Zeit nicht als Aceidenz der Bewegung gelten lassen, .da Bewegung wieder nur Aceidenz des sich bewegenden Körpers ist. Sondern die Zeit galt ihnen als etwas Positives, Reelles, die, so wie jeder Körper aus untheilbaren SLoffatomen, so aus untheilbaren Momenten (Zeitato.men) besteht. (Vergl. hierüber More I, 73; Schmölders Essai etc. pag. 163 ff.) * Aron ben Elia, ebenso wie Saadia (Emun. VI, 1), der erwähnten Prämisse zugethan (Ez chajim c. 106: כל מקרא נשוא .ואינו נושא), sagt darum auch von der Zeit, sie sei etwas außerhalb Bewegung und Zahl Seiendes, dessen Quiddität zwar unbegreiflich, aber dessen von der Bewegung unabhängiger Bestand über allen Zweisel ist (I. c. Cap. 6: על, מהות אותו דבר—!־1.זמן — לא עמדנו ולא השגנוהו אמנם י על היותו דבר חצוני מן התנועה והמספר מה עמדנו). Indessen geräth Aron mit sich selber in Widerspruch, denn Eap. 106 sagt er: ״Die Seele ist nicht unter der Bewegung begriffen, und was nicht unter der Bewegung steht, steht auch nicht unter der Zeit, ״denn Zeit und Bewegung gehören zu einander (ומה שאינו תחת התנועה אינו תחת ממן מ ממן מסמס לתנועה). Maimoni, in seinem Antagonismus gegen den Kelam, verhöhnt ordentlch den Zeitbegriff der Motekallemin. Sie hatten, sagt er, durchaus keinen Begriff von dem Wesen der Zeit, und mußte dies.so sein, denn wenn selbst die tüchtigsten -Philosophen über den Begriff der Zeit im Unklaren gewesen, so daß Gälenus die Zeit etwas Göttliches und Unbegreifliches nannte, um so mehr erst Jene, die bei keiner Sache auf die ״Natur" derselben