Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1859-01-01 · Heft 9 · p. Seite 349

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
8 (1859)
Issue
Heft 9
Article
Der philosophische Gottesbegriff in den arabisch-jüdischen Schulen
Date
1859-01-01
Page
Seite 349 (sequence 11)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
88% known words query
IRI
…/2829132-2829234-2829244-2856667--05038-2856705
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

349 Wissenschaftliche Aufsätze. (More II, Einl. Präm. 21: כל מורכב משני עניני□, אמנם ההרכבה ההיא סבת מציאותו^ כפי מה שהוא בהכרח, א״כ אינו מחריב המציאות בעצמו). Aus demselben Grunde muß auch Gott einzig fein; denn gäbe es mehrere Götter, dann wären sie ohne Zusammensetzung nicht denkbar. Die NothweudigkeiL der Existenz nämlich wäre für sie alle der Geineinschastsbegriff (סוג), dazu dann bei jedem Einzelnen noch das unterscheidende Merkmal (הברל) käme. Bei jedem der Götter müßte mithin eine Zusammensetzung von Gemeinschaftlichem und Besonderem stattftnden. Ebenso muß Gott ewig, d. i. unabhängig von der Zeit sein. Denn die Zeit ist ein Aecrdenz der Bewegung; jede Bewegung aber setzt eine bewegende Ursache voraus. Alles was nun der Bewegung unterliegt, ist zugleich von jener bewegenden Ursache abhängig. Mithin kann Gott, als nothwendig-existirend, d. i. von keiner Ursache außer sich abhängig, nicht der Bewegung unterworfen sein (Gott ist המניע הראשון הבלתי מתנועע , noG'nov mvovv äxip^op), und folglich auch nicht dem Accideuz der Bewegung, der Zeit*). 1) Die Zeit war von jeher eines der größten metaphisischen'Probleme, darüber die verschiedenartigsten Hypothesen aufgestellt wurden. Schon im talmudischen Zeitalter scheint über den Zeitbegriff philosophirt worden zu sein. Die bekannte Stelle im Beresch. r.: שהיה פדר זמנים קודם לכן, erinnert an eine ähnliche bei Cicero: Ncm enim si mundus nullus erat, saecula non erant... sed fuit quaedam ab infinito tempore aeternitas (De nat. deor. I, 18). Aristoteles, dessen Ansehen in den arabischen Schulen so hoch stand, setzte Zeit, räumliche Ausdehnung und Bewegung in gegenseitiges Ver-» hältniß (/(i0v°g? y.tvrjatg} trjxog oder fjfye'1-og, Phys. II, 2. Bergt. More I, 73, Präm. 3: הדרך והזמן וההנזעה המקומית שלשתם שוים במציאות). Denn ohne Raum ist keine Bewegung, und ohne Bewegung keine Zeit denkbar. Sowie es ohne Körper und also auch jenseits aller Körperlichkeit keinen Raum gibt, ebenso gäbe es auch ohne Bewegung, und mithin in einer, wie der räumlichen Bewegung, so auch dem Entstehen rnrd Vergehen entnommenen Welt, keine Zeit. — So wie ferner aus dem Begriffe des Raumes die Unmöglichfett eines Leerer! (70־ zevov. In mundo non datur vacuum; oergl. More II, 30: אין ר־לקות בעולם; s. auch Jesode hat. Hl, 2 und l0), ebenso wird aus dem Begriffe der Zeit die Unmöglichkeit einer leeren Zeit gefolgert und behauptet, daß sowol Zeit und Raum ohne die Begriffe dessen, was beide erfüllt, der Körperlichkeit rnrd der Bewegung, undenkbar seien. Zwischen Zeit und Raum findet nur der Unterschied statt, daß während bei dem letztern ein Aufhören, und also ein raum loser Raum gedacht werden muß (vergl. Jtk. II, 17: אריסטו יאמר שהמקום הוא התכלית המקיף בגשם מחוץ ובעבור זה יאמר כי כלל העולם אינו במקום לפי שאין חוצה לו דבר אחר יקיף בו), bei der Zeit hingegen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.