Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1859-01-01 · Heft 9 · p. Seite 347

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
8 (1859)
Issue
Heft 9
Article
Der philosophische Gottesbegriff in den arabisch-jüdischen Schulen
Date
1859-01-01
Page
Seite 347 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
90% known words query
IRI
…/2829132-2829234-2829244-2856667--05036-2856703
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

347 Wissenschaftliche Aussätze. a) Wenn ich sage: ein Ding ist, so ist dies kein analytisches, d. h. im Subjectsbegriff oder im Wesen der Sache liegendes, sondern ein synthetisches (weil kein erläuterndes, sondern erweiterndes) Urthcil. Denn wenn wir von einer Sache, die wir uns Anfangs nur im Geiste gedacht, später erfahren, daß sie auch in der Wirklichkeit ist, dattu erhält die Sache hierdurch nicht eine Eigenschaft oder eine wesentliche Bestimmung, die sie früher etwa nicht gehabt, sondern es entsteht dann nur ein Verhältniß zur Außenwelt, das früher nicht bestanden. Besteht z. B. das Wesen des Triangels in den drei Äinkelst Seiten, so wird an dieser Töesenheit nichts geändert, ot)1 ich' das' Dreieck' wirklich aufzeichne, oder nur im Geiste denke. Dasein ist mithin blos ein Accidcnz (ענין נוסף על מהותו). Gott aber können wir keine Accidenzen zueignen 5 6). b) Dasein ist ein Gemeinschasts- oder Gattungsbegriff (סוג), eine Kategorie, unter die wir Alles was ist - subsuunrcn: Stein, Pflanze, Thier, Mensch, Sphäre, Engel, und wo ein Jedes nur durch das Merkmal einer besondern Eigmthümlichkeit (הבדל) von Andern sich unterscheidet. Mein Alles, was mit dem Gemeinschastsbegriff noch ein unterscheidendes Merkmal verbindet, ist nothwendig ein aus Mannigfaltigem Zusammengesetztes. Wie können wir demnach von Gott'ein Dasein aussagen? ff. Doch diese beiden Fragen löste man mit der einen Antworte Gottes Dasein ist ein von allem sonstigen Seienden wesentlich Derschiedenes. Denn alles außer Gott Existirende trägt keine Noch- Wendigkeit der Existenz in sich, sondern ist abhängig und bedingt durch Anderes, und ist daher nur möglich-existirend (אפשר המציאות). Gott hingegen ist von nichts außer sich abhängig, sondern ist durch sich selbst nothwendig-existirend (מהויס המציאות מחמת עצמו). Er ist Ens a se oder Causa sui, wie dies die scho- 5) Ob Dasein als wesentliche Bestimmung oder blos als Accidenz zu betrachten sei (s. Jkkarim II, 1: אם המציאות מקרה קרה לנמצא או הוא;ינין עצמותי לו), darüber herrschte ein Meinungsstreit unter den arabischen Philosophen. Jbn Strich der das Dasein für eine Accidenz erklärt, wird von Jbn Raschid heftig bekämpft, welcher angibt, daß Jener unter Anderen sich auch darauf gestützt, daß der arab. Ausdruck מומר (eben so wie der hebr. נמצא) schon seiner Etymologie nach etwas Accidencielles anzeige. — Uebrtgens so scholastisch spitzfindig dieser Meinungsstreit auch erscheint, so hat derselbe doch auch in der neuern Philosophie in Bezug aus den ontologischen oder sogenannten kartefianischen Beweis für das Dasein Gottes, einige Bedeutung. 6) Jkk. II. e.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.