Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1859-01-01 · Heft 9 · p. Seite 344

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
8 (1859)
Issue
Heft 9
Article
Der philosophische Gottesbegriff in den arabisch-jüdischen Schulen
Date
1859-01-01
Page
Seite 344 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2829132-2829234-2829244-2856667--05033-2856700
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

344 Wissenschaftliche Aufsätze. außerwesentlich, d. i. accidenzicll, nicht, da sonst eine Mehrheit in Gott entstünde. Das Gottes würdigste Attribut ist die Wahrheit, ein Attribut, das man eben auf Nichts außer Gott beziehen kann, da das Dasein aller andern Dinge von etwas außer ihnen Liegendem abhängt, ihnen also etwas Ungewisses, eine bloße Möglichkeit inhärirt, so daß die Aussage von ihrer Existenz nur manchmal wahr ist. Nur Gott allein, der eben so ewig als von allem außer ihm Seienden unabhängig ist, kann der absolut wahre genannt werden 6 7). Doch selbst dieses Attribut der Wahrheit ist demnach im Grunde nur eine Negation, nämlich die Verneinung aller Abhängigkeit. Und Mose ben Maimon hat dieser Untersuchung zehn Abschnitte im ersten Bande seines ״More" gewidmet?), also mehr als den ächten Theil desselben, und wir wollten Anfangs auch noch hinzufügen, eben die schönsten und gehaltreichsten Abschnitte dieses Bandes; so wollte es uns nämlich bedünken, als wir dieselben bei Abfassung des gegenwärtigen Artikels nochmals durchlascn. Doch nein, bei jedem Kapitel, das der Leser in diesem merkwürdigen Buche aufmcrksamen Geistes gerade durchgeht, glaubt er immer, eben dieses wäre das vortrefflichste von allen. Aber empfehlen möchten wir allenfalls jedem Leser die zehn Abschnitte, er würde da eine Fülle von Ideen, logischen, metaphysischen und theologischen Inhalts niedergelcgt finden, deren fich gewiß auch die neuere und neueste Philosophie nicht zu schämen braucht. Und wenn auch Maimon! in dieser Frage zu keinem Resultat gelangt, sondern zuletzt den hier entwickelten Anfichten seiner Vorgänger sich anschließt; so zeigt sich doch auch da, wie der geniale, selbstständige Forscher selbst den bekanntesten Wahrhciten und Philosophemen, neue, geistvolle Seiten abzugewinnen weiß. Doch, wie wir sagten, zuletzt kommt auch M. darauf hinaus, ״daß jedes Attribut, das wir Gott beilegen, entweder eine Bezeichnung seines Wirkens, oder nur eine Verneinung der diesem Attribute ent׳ gcgengesctzten Privation ausdrückt". Freilich könnte da die Frage entstehen — wenn wir mithin von dem Wesen Gottes durchaus nichts Positives zu erkennen im Stande sind, so daß, was die affirmative Kenntniß Gottes betrifft, selbst Moses und Salomo nicht mehr wußten, als irgend ein Lehr- 6) Vergl. auch Jkkar. II, 27 über den Begriff nvu, wo derselbe Gedanke ausgesprochen ist. — Die Quelle Beider war jedoch Zbn Sina, wie wir im Verlaufe unseres Artikels zeigen werden. 7) Von Kap. 50 — 60.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.