Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1859-01-01 · Heft 9 · p. Seite 343

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
8 (1859)
Issue
Heft 9
Article
Der philosophische Gottesbegriff in den arabisch-jüdischen Schulen
Date
1859-01-01
Page
Seite 343 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2829132-2829234-2829244-2856667--05032-2856699
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

343 Wissenschaftliche Aussätze- Sache nach sind sie׳ eins, da es speculativ zu erweisen^ stehet, daß das was einzig ist, zugleich auch nothwendig cxistirend und ewig sein muß, und eben so auch umgekehrt. Fänden wir in der Sprache ein׳ Wort, das diese drei Bezeichnungen eben so einheitlich auszudrücken im Stande wäre, als der Verstand sic einheitlich denkt, wir würden uns freilich dessen bedienen׳; doch die Vielheit im menschlichen Ausdruck kann wohl Nicht als Vielheit im Wesen Gottes betrachtet werden. Da indeß der menschliche Geist durchaus nicht zu bestimmen im Stande ist, was Gott ist, sondern nur was er nikcht ist, darum sind die Attribute des Wesens, die wir Gott zuschreiben, sammtlich nur in negativem Sinne zu nehmen, die blos ihren Gegensatz ausschließen wollen. Es war dies eine bei arabischen^) und jüdischen Theologen sehr beliebte Annahme, auf die man später auch das Wort Hiob's beziehen wollte : ,'והחכמה מ אי ן. תמצא י Jehuda halevi versucht eine trichotomische Eintheilung der Attribute^), nämlich in pragmatische, accessorische und negative. Die erstem sind Bezeichnungen solcher von uns wahrgenommenen Wirkungen Gottes, die auf natürliche Weise vor sich gehen (während die ohne natürliche Mittel hervorgebrachten Schöpfungen durch das Tetragrammaton bezeichnet werden); dahin gehören die Attribute gütig, barmherzig, stark, gerecht u. dergl. Die accessorischen Attribute bestehen in den Lobpreisungen, die man gegen Gott ausspricht, wie gepriesen, heilig, hoch, erhaben. Die negativen endlich, wie lebendig, einig, erster und letzter, werden ihm nur deshalb bcigelegt, damit ihr Gegentheil ncgirt, nicht damit sie in affirmativem Sinne Gott zugeschrieben werden. Ja, selbst das Attribut der Einheit gehört zu dieser letztern Klasse, da die Einheit in der gewöhnlichen Bedeutung doch noch immer das Cohärirendc, Mannichfaltige nicht ausschließt, z. B, Ein Körper, Ein Jahr, Ein Meer, Gott jedoch über jede Cohäfion erhaben ist. Nach Abraham ben David müssen sämmtliche Attribute negativ sein, da sie weder wesentlich noch außerwesentlich sein könnten 3 4 5). Wesentlich nicht, weil das Wesen Gottes nicht erkennbar ist, und 3) Vergl. Scharastani 1. c. pag. 94: Algazali, Makassid al-Falasifa; Ritter, Geschichte der Philosophie Th. IV, S. 573 ff. 4) Kasan II, 2: חמדות מתחלקות זולתי דשם דמפודש ית׳ לשלשת חלקים שתתייחד מעשיות או טפליות או שולליות. Vergl. die drei Methoden der Scholastiker: Via causalitatis, via negationis et via emiuentiae. 5) Emuna rama II, 3.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.