Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 8 (1859)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Alexandrinische Messiashoffnungen
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 249 (sequence 9)
- Language
- German
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Alexandrinifche Messiashoffnungcn. 249 Sibylle gibt sich in manchen bei alten Autoren erhaltenen Stellen als Schwester des Apollo, zuweilen als Priesterin des Apollo aus, und weissagte über Schicksale der Völker^׳ In späterer Zeit kannte man außer der eryträischen, cumäischen und delphischen mehrere Sibyllen, als die egyptische, lybische, persische, auch eine babylonische oder hebräische. Die Benennung ״baby- Ionische" dürste aus der einer sibyllinischen Verkündigung zu Grunde gelegten örtlichen Beziehung herzüleiten sein. Josephus führt die Worte der Sibylle an: ,,Als alle Menschen eine Sprache redeten erbaueten Einige einen sehr hohen Thurm, um durch ihn gleichsam in den Himmel hinauszusteigen. Aber die Götter entsandten Winde, stürzten den Thurm um Und gaben Jedem eine besondere Sprache, woher die Stadt Babylon genannt wurde "?). Aber sollte eine Sibylle diese ihrer Anlage nach biblische Erzählung verkündet haben? Verräth sich nicht hier ein jüd. Verfasser, der zu dem früher gedächten Zwecke diese Worte der Sibylle untergeschoben? Und in der That weiset , wie weiter ׳sich ergeben wird, die Quelle, aus der Josephus mittelbar geschöpft, einen solchen Verfasser bis zur Evidenz nach, und es findet hierdurch auch die Benennung ״hebräische Sibylle" ihre Rechtfertigung. Die uns vorliegende Sammlung sibyllinischer Weissagungen tragen das Gepräge des Monotheismus; sie sprechen im Namen des höchsten Gottes, benennen ihn Gott Zebaot, den Gott, der auf Cherubim thront, eifern gegen Götzen und deren Anbeter rc. Von den zwölf Büchern dieser Weissagungen hat das älteste einen- Juden zum Verfasser, die anderen gehören theils Juden, theils Christen an. Der christliche Ursprung verräth sich in der Verkündigung des Stifters der christl. Religion als des verheißenen Messias, in der Erzählung seiner Leidensgeschichte, in argen Androhungen gegen die Juden, in Spielereien mit dem Zahlenwerth der Buchstaben 9). Sie datiren aus dem 2. und 3. Jahrh. und noch späterer Zeit 10). Die, Juden zu Verfassern habenden Sibyllinen zeichnen nur in wenigen leicht hingeworfenen Umrissen den Messias; sie haben mehr die Messiaszeit im Auge, und verbreiten sich über die sie begleitenden Schrecknisse und den Untergang der Völker. Hier aber verarbeiten sie die älteren sibyllinischen, also heidnischen, über mehrere griechische Staaten ergangenen Orakel; diese hatten allgemeine Verbreitung gefunden, und es war eine feine Berechnung, durch deren Verwebung mit den messianischen Verheißungen diesen den Anstrich alter sibyllinischen Weissagungen