Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 8 (1859)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Alexandrinische Messiashoffnungen
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 248 (sequence 8)
- Language
- German
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248 Alexandrinische Messiashoffnungen. Glaube Richter. Daß es hierdurch mit den bei den Zeitgenossen herrschenden und sie beherrschenden Anschauungen in Conflict gerieth, konnte seinen Gang nicht beeinträchtigend Stolz befrug es sich selbst, befrug seinen Glauben; und ein Volk, eine Religionsgenöffenschast muß in sich einen inuern Stolz, eine über äußeres Urtheil sich erhebende und ihm mit Selbstbewußtsein gegenübertretende Meinung tragen. Alexandrien, das Auge nach innen und außen zugleich gerichtet, konnte zu solcher Selbstständigkeit nicht gelangen: das überwältigende Schöne des sinnlich fein fühlenden Griechen, in dessen Verbindung mit dem Guten*) er allein das höchste Ideal erblickte, war auch dem alexandr. Juden ein Leitstern in seinen Bestrebungen, durch den aber feine Selbstständigkeit scheiterte. Für das Schöne vermöchte er nicht in sich, in seinem Glauben ein Urtheil zu finden: bildet doch dieses den Cardinalpunkt, in welchem Judenthum und Hellenismus auseinandergehen. Der Hellenismus wurzelt tu der sinnlichen Natur, die, verpotenzirt, ihm das göttlich Schöne ist; dem Judenthum stehet über der Natur ein mit den Sinnen nicht erfaßbarer Gott, von dem jeder bildliche Begriff eine Lästerung. — Dem alexandr. Juden, der sich nach außen bildete und richtete, mußte die Anerkennung seines Glaubens aus dem Munde Außenstehender tiefe Befriedigung gewähren: daher einem heidnischen, am Hose des Ptolemäus Philadelphus lebenden angesehenen Manne die Erzählung von dm wunderbaren Uebersetzung der Schrift und den sie begleitenden ehrenden Umständen in den Mund gelegt wird **); daher, was noch sonderbarer, eine im Alterthume weit genannte heidnische Seherin messianische mit heidnischen Anschauungen verbündene Verheißungen verkündet. 'Palästina würde sie mit Abschm zurückgewiesen haben^ die Gewähr für seine Zukunft hatte ׳'es in sich, aus dem Munde heidnischer Priester war sie ihm Ent-, weihung; Alexandrien fühlte sich durch die anerkennende Verkündigung von außen geehrt. Es sind uns ״Sibyllinische Weissagungen" erhalten ff. Schon das frühe Alterthum kennt Sibyllen, d. i. den Rath der Gottesverkündenden (Frauen) ff; die eryträische Sibylle wird viel genannt; die׳ römische'Geschichte hat die cumäische Sibylle, die mit der eryträischen identisch zu sein scheint ff. Die *) xaXoy.ctya&og. **) Vgl. tzen Aufsatz Aristeas im vor. Jahrg.