Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1859-01-01 · Heft 7 · p. Seite 247

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
8 (1859)
Issue
Heft 7
Article
Alexandrinische Messiashoffnungen
Date
1859-01-01
Page
Seite 247 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2829132-2829234-2829242-2856540--04907-2856564
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Alexandrmische Messtashoffnungcn. 247 "־ Dieselbe Tendenz tritt auch in den alexandrinischen Wessiasver- Heißungen unverkennbar hervor, doch wollen wir zu deren eigentlichem Berständniß zu dem früher Bemerkten*) noch Manches über alexandr.-jüd. Leben hinzusügen. Die Juden zu Alexandrien waren dem größern Theile nach vou tiefer Anhänglichkeit an den väterlichen Glauben beseelt; doch ging ihnen ein wesentliches Moment ab: das Hineinleben in ihn und Aufgehen in ihm, die Auffassung des Glaubens aus sich selbst heraus. Soviel wahrzunehmen ist, war ein absolutes Glaubens- oder Gesetzesstudium, ein sich Versenken in die Lehre, die Befriedigung in ihr als sich als Selbstzweck gesetztem den Alexandrinern fremd. Hiervon zeigen sowohl die Hinterbliebenen Merke der jüd. - alexandr. Schule, als daß auch über namhafte Glaubenslehrer, wie sie Palästina und Babylon kennen, geschwiegen wird; selbst als nach dem allmäligen Verlöschen des paläst. Nasiat sich anderwärts, da der Centralpunkt fehlte, mehrfach Academien bildeten, zeigt Alexandrien keine Spur religiös-geistiger Thätigkeit ^). Denn das jüd. Alexandrien trugwon frühester Zeit einen nicht zu vermittelnden Dualismus in sich: Judenthum und Hellenenthum. Die griechischen Anschauungen über die Fragen, die der denkende Geist als die höchsten des Lebens erkennt, lassen weder nach der Hülle, mit der sie Priester und Dichter umgaben und die vom Volke als Wesentliches erfaßt wurde, noch in den die Lösung dieser höchsten Probleme anstrebenden Philosophemen eine Aussöhnung mit den innersten Wahrheiten des Judenthums zu. Von dieser Zwiespältigkeit war Palästina frei,- denn ihm floß, obwohl, auch griechische Bildung den Hervorragenderen nicht fremd war, nur eine Quelle: der Probirstein für den Glauben war der Glaube selbst. Anders Alexandrien, es wurde, wie man aus dem alexandr. Philo erkennt, von einem sich widerstrebenden Zwiegespann gezogen; was der Glaube sagte sollte in der griechischen Speculation, sogar in den ihrer Hülle entkleideten Göttermythen Bestätigung finden, sowie wieder in eigenthümlicher Wechselwirkung diese Spekulationen und Entpuppungen sich im Glauben abspiegeln. — Diese grundsätzliche Verschiedenheit Palästina's und Alexandriens trat in den mannichfachsten Lebens- Verhältnissen hervor: Palästina hatte ein Bewußtsein, ihm war sein eigenes Urtheil maßgebend, für das in letzter Instanz der *) Bgl. vor. Jahrg. S. 297.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.