Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 8 (1859)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Alexandrinische Messiashoffnungen
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 245 (sequence 5)
- Language
- German
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Alexandrinische Messiashoffnungen. 245 kaum war ein halbes Jahrhundert dahingegangen und die frische, vielen Zeitgenossen noch gegenwärtige Erinnerung an Heiligthum und Vaterland erweckte wieder lebendige Begeisterung: ein Held, den manche Tugend zierte, wurde von den Edelsten^ wurde selbst von R. Akiba als der Wiederhersteller der Freiheit und des Vaterlandes anerkannt, zwar unter Anwendung einer messtanischen Bibelftelle, denn die Messiasidee hatte sich eingelebt, doch war sie nicht mit Wunderglorie umgeben, die Bewahrheitung des Messias nicht durch Wunder bedingt*). Der große durch mehrere Jahre dem römischen Adler gesahrdrohende Aufstand wurde unterdrückt: der Sieger wüthete grausam, die Besiegten, nach allen Seiten zerstreuet, verloren erst jetzt ganz das Vaterland. Von da ab datirt die Ueberschwänglich.keit, in der sich zuweilen der Messiasglaube darstellt. Der patriotischen, zu Thaten erweckenden Begeisterung ging von nun jede nur irgend vernunftgemäße Unterlage ab; was vermdchten die in weiter Ferne Vereinzelten für das von barbarischen Füßen niedergetretene Vaterland? Nicht Gegenwart und Wirklichkeit, sondern Hoffnung und Wunder, Hoffnung, durch Glauben an Wunder unterhalten, konnte die Sehnsucht nach Wiederherstellung des Vaterlandes beschwichtigen. So mußten sich mit der Messiasidee unwillkürlich Wunder verbinden, und hierzu berechtigten auch die vielfachen prophetischen Verheißungen: ״es werden die nach allen Himmelsgegenden Zerstreueten wieder versammelt werden."— Hier eröffnete sich aber der Phantasie ein weites Gebiet und es gestaltete sich je nach dem individuellen lebhastern Schwünge die Ausftafsirung farbenreicher; den weitesten Umfang gewann sie im Munde des Volkes, der eigentlichen Pflanzstätte der Sage. Die Messiaszeit werde aber auch reich an Drangsalen sein, so hätte es׳ sich aus einem tief liegenden moralischen Gefühle herausgebildet; ein Strafgericht für die Völker, die Israel mit eiserner Hand niedergehalten, verkündeten die Propheten, aber auch Israel, wurde angenommen., wird nicht leicht die Zeit des Schreckens überstehen. Jedes Gut will erworben sein, die Gottheit theilt nur nach Verdienst aus: darum die Ankunft des Messias ein Läuterungsproceß auch für die auf ihn Harrenden. Nicht daß gehofft, sondern daß in Glaubenstreue gehofft wurde, der Glaube und das Leben in ihm der eigentlichste Halt war, wird in jener ') Vgl. Mainwmdes Melachim 11, 3.