Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 8 (1859)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Alexandrinische Messiashoffnungen
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 244 (sequence 4)
- Language
- German
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244 Nlexandrinische Messiashoffnungen, Anschuldigung reisen wieder in üppiger Blüte: traurige Zeugen dieser Tage, wie laut sprechetihr: die Zeit der Verheißung istnoch sehr fern! Doch wir kehren zu der Vergangenheit und ihren messianischen Hoffnungen zurück. Die von den Propheten angeregten Erwartun gen gestalteten sich je nach der den Verhältnissen gegenüber eingenommenen Stellung verschieden. Die Zeit der Mäccabäerkämpfe läßt das Motiv des großartigen Aufschwunges nicht in der Messiasidee wahrnehmen •1). Noch pulsirte ein kräftiges für Glauben, Heiligthum und Vaterland zu Thaten begeisterndes und nationale Selbstständigkeit als Preis des Kampfes anstrebendes Leben: die Messtasidee weiset auf die Zukunft, der begeisterte Muth verzichtet nicht auf die Gegenwart, die Messias- Hoffnung erwartet Hülfe-durch außerordentliche Ereignisse, wo noch die Wiedererringung der höchsten und heiligsten Güter, so wie des Vaterlandes in Aussicht stehet, erwacht in hochgesinnten Männern ein hohes Selbstgefühl, das im Bewußtsein dessen, wofür gekämpft wird, an dem Siege nicht verzweifelt, mit dein Muthe beseelt nicht nur für sie unterzugehen, sondern sie trotz vielfach überlegener Macht und Gewalt zu retten. — Durch den Druck unwürdiger hasmonäischer Könige und die durch sie hervorgerufenen Bürgerkriege, durch die Tyrannei des edomitischen Römersclaven Herodes und das darauffolgende Aussauge- und Plünderungssystem römischer Proconsnlu brach die Kraft des Volkes, und die Messtasidee erwachte nun lebhaft: war sie doch der alleinige Hoffnungsstrahl in den tief umdüsterten Zuständen! Doch gab es auch da noch Vaterlandsfrennde, die in wilder Begeisterung den Sieg gegen das mächtige Rom zu erringen hofften; ein ihnen feindseliger, entgegengesetzte Tendenzen verfolgender Geschichtsschreiber hat sie mit dem Namen ״Zeloten" gebrandmarkt; eine gerechtere, kritisch sichtende Zeit legt ihrem in solchen Zeitläuften nicht ungewöhnlichen Terrorismus das edlere Motiv einer glühenden, trotz aller Schrecknisse an sich nicht verzweifelnden Vaterlandsliebe unter. Aber finden wir auch Entschuldigung für -diesen unbesonnenen Eifer, dem Vaterlande war er zum Verderben: er führte dessen Untergang herbei. Was nun das tiefgebeugte, seiner Nationalität beraubte Volk ausrecht erhielt? Schon der erste Einblick in das innere Leben jener Zeit sagt, daß Man mehr als an die Messiashoffnung sich an den Glauben hielt, der durch die Vorgänge nicht nur nicht erschüttert Wörden war, sondern noch tiefer in den Herzen wurzelte. Und