Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 8 (1859)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Alexandrinische Messiashoffnungen
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 243 (sequence 3)
- Language
- German
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Alexgndrinische Messiashoffnungen. 243 sesiger Tgge, — je mehr sich über sie für das Halten an dem die Herrschaft des ' Rechts und des Friedens verkündenden Glauben Gewaltthätigkeit und Verfolgung ergossen, um so mehr sehnten sie die verheißene Zeit herbei,. die, wie ihnen auch die unaufhörlich sich erneuernden Völkerkämpfe sagten, noch nicht gekommen mar. Und fast mahnt es unwillkürlich einen Blick auf die Gegenwart zu werfen, die mit tief erschütternder Stimme verkündet: yoch ist die Zeit nicht gekommen! Eine neue, freilich weder im Monotheismus begründete, noch den Menschen nach seinen höheren Ideen charakteristrenden Erscheinung, der Industrialismus, werde, so vermeinte man, der Friedensbote für die Völker sein, der, an die individuellen Interessen anknüpsend, Kriege für immer banne ״und nicht zückt dann mehr Volk gegen Volk das Schwert", aus daß das neue um die Menschheit sich schlingende industrielle Band nicht gelöst werde. Thörichte Hoffnung, wie machen sie die Ereignisse dieser Monate zu Schanden! Und sagen nicht auch andere Anzeichen, daß die Zeit der Verheißung noch nicht gekommen, sie sich sogar mit jedem Tage mehr entferne? Die Ausbrnche des Glaubenshasses lassen von Neuem von oben wie von unten sich vernehmen; der Fanatismus, die Zurückstoßung wegen religiöser Ansichten gibt sich bald in verfeinerter legaler Form, bald in roher frevelhafter Gewaltthat kund. Hier wird gesetzlich verfügt, der im Kampfe für das Vaterland zum Krüppel gehauene Jude kann nur nach genauester Prüfnug der Verhältuisse zu einer nur aus bestimmte Landestheile begrenzten armseligen Versorgung gelangen, dort bricht ein fanatisirter Pöbssl- Haufen in Gotteshäuser und Wohnungen der Juden, mordet schonungslos und entweihet Heiliges mit frevelnder Hand; hier lassen provisorische, ihre Erledigung nicht finden wollende Gesetze den Juden über Besitz und 'Eigenthum in Ungewißheit, und ziehet ein jüd. Familienvater in den Kamps, so begleitet ihn der peinigende Gedanke, daß, fällt er für das Vaterland, dieses Väterland, da Juden den etwa erworbenen Grundbesitz provisorisch nicht vererben können, seine Waisen aus dem überkommenen Häuschen vertreiben werde, dort stnden die finsteren Anklagen wegen vergossenen Christenbluts bereitwilliges Gehör und zum Morden bereite Hände; hier wird an geweihter Stätte Haß und Verachtung gelehrt, dort ׳ findet der ausgestreuete Saame einen empfänglichen Boden und die durch das Fortschreiten der Gesittung msihsam niedergehaltenen Ausbrüche confessioneller Abstoßung und