Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 8 (1859)
- Issue
- Heft 6
- Article
- [Nachricht] / Frankel, Zacharias
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 230 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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230 Notizen.. die Armen, die Waisen und die Wittwen zu denken, und den Jahrestag einer Anstalt zu feiern, die zu deren Gunsten gegründet wurde? Es ist weise, es ist menschlich, die mit Vaterlandsliebe erfüllten Herzen an die mit ihr verwandten Tugenden des Wohlwollens und der Menschenliebe zu mahnen, aufzufordern den Glücklichen und-im Wohlstände Lebenden, sich des Siechen und Bedürftigen zu erinnern." Der Redner ging dann auf die Wohlthätigkeit über, wie sie uns durch die Religion empfohlen, und wie sie stets unter uns geübt wurde. ״In dieser Versammlung", fährt er fort, ״bedarf es keiner besonderen Aufforderung: der Wohlthätigkeitssinn bethätigt sich bei jeder Gelegenheit. Ist aber hier menschliches Gefühl so wach und rege, so muß es die Erinnerung, daß in der alten Welt menschliches Gefühl auf eine dieses Jahrhundert tief entwürdigende Weise mit Füßen getreten wurde, Mit brennendem Schmerze erfüllen". Der Redner erinnerte hier an die Mortara - Angelegenheit, die auch' in Amerika eine beispiellose Indignation hervorgerufen. — Da die ganze gebildete Welt hierüber das Urtheil gesprochen, so glauben wir die obschon trefflichen und schwungvollen Worte des Hrn. Block hier nicht wiederholen zu brauchen, und wenden uns vielmehr an folgendes , einen erquickenden Gegensatz zu der leidigen Mortarageschichte bildendes Actenstück. Der Präsident Herr Simpson theilt in seinem Bericht folgenden Brief des französischen Consuls mit: ■ :..,:■■■׳ . - Französisches Coüsulat zu Neu-Orleans. Neu-Orleans, 16, März 1859. Herr Präsident!׳ Se.׳: Excellenz der Minister Vder Auswärtigen Angelegenheiten Sr. Majestät des Kaisers Napoleon, hat mir die Ehre erzeigt, mir unter dem 9. des vergangenen Februars zu schreiben und meine Aufmerksamkeit aus einen Vorgang mit einem verwaisten jungen Mädchen, Alice Levy, Tochter französischer Eltern, zu lenken, das dem letzten Willen ihrer Mutter entgegen, die den Wunsch ausgedrückt hatte, ihr Kind soll in dem Schooße.der jüdischen.Religion, welche der ihrer Väter war, erzogen werden, einer mitleidigen-Frau in Neu-Orleans, in der Absicht es in der katholischen Religion erziehen zu lassen, war übergeben worden, Dieser Mittheilung waren mehrere Papiere beigefügt, ‘ unter anderen ein Brief der Großmutter dieses jungen Mädchens, der Frau Wittwe Meyer Lichtenberg, geborne Levy, welche behauptet, daß Man der jüd. Gemeinde zu Neu-Orleans die Herausgabe-des Kindes verweigert habe, weil es schon getauft fei.