Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 8 (1859)
- Issue
- Heft 6
- Article
- [Nachricht] / Frankel, Zacharias
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 229 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Notizen. 229 Volk aber aus den ernstesten Kämpfen, deren die Geschichte gedenkt, siegreich für seine Menschenrechte hcrvorgcgangen, zuerst das breite Banner der Religionsfreiheit nach allen Richtungen wehen ließ und die Verfolgten sedes Himmelsstriches einlud, sich in seinem wohlthuenden und schützenden Schatten zu lagern." ״Bis zu dieser Zeit war der Israelit seit der Eroberung seines urväterlichen Landes durch die Römer in jedem Lande und in jedem Klima, wohin ihn das Unglück des Lebens getrieben hatte, ein Wanderer und Ausgestoßener, höchstens gelitten, doch nie als Bürger anerkannt, ausgeschlossen von jeder Mitbewerberschaft auf dem Gebiete des Talents und des Geistes. Dieses war das Loos des Jsraliten in allen Ländern; nur wenige machten eine Ausnahme, und unter diesen Holland, zu , seiner ewigen Ehre sei es gesagt, die edelste. Die Generalstaaten verbürgten, nachdem der lange und tödtliche Kampf mit ihrem Tyrannen Philipp dem Zweiten mit ihrer Befreiung geendigt hatte, allen ConfessioneN, wenn auch nicht bürgerliche, doch religiöse Freiheit. Dasselbe Recht wurde auch von Cromwell während des Prötectorats durch die Vermittelung des Menasse ben Israel; eines erleuchteten und sehr geachteten Juden aus Holland, den Juden eingeräumt. So verdanken Juden Republiken die Freiheit und Gleichheit, die sie jetzt genießen. Und wenn in anderen Ländern der Israelit nur schrittweise und bei allmäligen Concessionen, die man ihm in langen Zwischenräumen gemacht,, bei einer annähernden Gleichheit der socialen und politischen Rechte angelangt ist, weyn seiner Religion nur nach und nach Schutz vor Insulten und Beleidigung zugestanden wurde, so gebührt unserm theuern Vaterlande die hohe Ehre, das erste Land gewesen zu sein, das aus freiem Antriebe den Nationen für immer religiöse und bürgerliche Gleichheit verkündet." ״ Und der Jude sollte nicht ein solches Land lieben? Er sich nicht freuen in dessen Freuden und sich betrüben in dessen Betrübnissen? Und wenn der Kanonendonner die Nationalfreude über den erlangten Sieg verkündigt, sollte nicht jeder seiner Herzschläge einen frohen Widerhall geben? Dann wäre er nicht ein Jude, würde nicht das Blut , der Maccabäer in seinen Adern fließen. — Und wenn nun der Volksjubel laut die Freude über die erworbene Freiheit verkündigt; wenn das von Thürmen und Masten flatternde Nationalbanncr des Volkes Dank gegen den Himmel wehet, wenn das Herz von stolzen Vaterlandsgefühlen überfließt und von Gefühlen der Brüderlichkeit und des Wohlwollens erglühet: welcher Tag könnte da-geeignetersein an